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Vergangenheit und Zukunft

Vergangenheit

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten (August Bebel)

 

BDSM, aber nicht nur, bewegt sich ausserhalb der “Norm”, dieser nicht wirklich klar definierte gesellschaftlichen Korsett. Wir gehören nicht zu den “Normalos” und manchmal wir selber betonen die Unterschiede mit Ausdrücke wie “Vanilla” oder “Stino”. Was heisst aber “Normal sein” und wer hat diese Norm definiert? Um das herauszufinden werden wir hier gemeinsam ein bisschen durch die Geschichte reisen und ein paar Fakten recherchieren.

Antike

Denk an einer Zeitperiode der Geschichte mit Exzesse überall, lockere Moralvorstellungen und Zelebrierte Orgien. Hast du’s? Genau, die Römer.
Das stimmt zwar nicht ganz so aber die Römer waren schon ziemlich locker drauf was Sexualität angeht. Klar die Ehe war bevorzugt aber auch Geliebte und Konkubine sind meistens nicht leer ausgegangen. Homosexualität war nicht an der Tagesordnung aber niemand hat sich wirklich daran gestört, im Gegenteil es würde zum teil “Jünglings” empfohlen sich ein ältere mächtigen Herr auszusuchen um bei ihm eine “Lehre” einzugehen. Die öffentliche Badanstalten (die Thermen) waren nicht nur ein Ort wo Politik diskutiert wurde, die gemischter Bäder hatten auch andere Vorzüge. Im allgemein, die Devise der Römischen Imperium war, alles was nicht offiziell verboten ist, ist implizit erlaubt. Durch die Expansion in andere Länder und Regionen, Kulturen und Ethnien wurden vermischt, was ein eigentliche sehr kosmopolitische Gesellschaft hervorbrachte. Für etwa 1000 Jahre keine hat sich wirklich gekümmert was die Leuten im Bett gemacht haben. Das alles hatte aber ein Ende etwa im Jahr 500, als interne Konflikte und die Spaltung zwischen Ost- und West-Reich das Imperium zur Fall brachten.

Frühmittelalter

Was folgte war das Frühmittelalter, manchmal auch finstere Mittelalter genannt. Finster weil mam Historisch betrachtet nicht viel weiss und weil es eine Zeitperiode voller Völkerwanderungen, Chaos, Krieg, Hunger und Tod war. Die römische Organisation war Vergangenheit und die Zukunft war nicht viel versprechend. Im allgemeiner Macht-Vakuum Clans ähnliche Strukturen sind entstanden und jeder musste für ein Stück Land kämpfen um seine Familie zu ernähren. Nur die wenige Mächtigen hatten Zeit für Frivolitäten, für alle andere ging es um überleben. Mord und Totschlag für eine Steckrübe war an der Tagesordnung. Die Christianisierung verbreitete sich langsam durch Europa aber es brauchte Generationen um Fuss zu fassen. Es ist nicht viel überliefert worden, insbesondere nicht über die Sexualität dieser Epoche. Wahrscheinlich gab es sehr starke regionale unterschiede, je nach dem wer die Macht inne hatte. Diese chaotische Zeit in Europa dauerte bis etwa zum 11. Jahrhundert.

Hochmittelalter

Eine neue Macht entsteht: die Kirche. Erst als Gemeinschaften verteilt durch das Land, dann in Kloster und weiter zu Abteien. Die Christen werden zur Mehrheit und die Mächtigen suchen ihre nähe. Ob es Überzeugung war oder Kalkül, “König durch Gottesgnade” hört sich für Gläubige sehr berechtigt an… Diese Könige regieren zwar aber sie achten peinlich darauf nicht in die Quere zu kommen mit der Hüter der Moral. Der Pontifex im Rom gilt zu dieser Zeit als König-Macher und als Oberinstanz der Sitte und Moral. Später wird noch die Inquisition durch Europa ziehen und jeder Abweichung blutig vertilgen. Frommheit wird zur Pflicht, wer nicht folgt wird abgesondert oder landet in ein Kerker oder auf der Scheiterhaufen. Die Kirche benutzt die Vergangenheit als negative Beispiel, alles was die Römer gemacht haben ist böse und unchristlich. Das ist mit abstand die restriktivste Epoche was Sexualität angeht, es ging zum teil soweit das man alles irdisches als sündhaft bezeichnet (als Gegenteil zum heilige himmlische) und sogar Spiegel verboten wurden damit man nicht durch den eigene Abbild in Versuchung kommt…

Spätmittelalter

Das Spätmittelalter ist das was wir aus Ritter und Edeldamen Geschichten kennen. Hochstilisiert und doch so falsch… Die Kirche ist immer noch sehr mächtig aber hinter geschlossene Schlosstore kann man doch verbotene Freiheiten geniessen. Es ist aber kompliziert. Homosexualität ist natürlich verpönt und die Ehe heilig, im allgemein das Vergnügen ist zwar erlaubt aber nur was die Geistlichen auch gut heissen. Alles ist immer noch Bibel und Glauben unterstellt aber langsam Schriften aus eine vergessen geglaubte Vergangenheit kommen im Umlauf. Griechische und Arabische Bücher landen erst in Kloster und Abteien auf und berichten von andere Lebensweisen, von Kulturen die fröhlicher und offener waren.
Doch es gibt auch derbe Dämpfer: die Pest wütet mehrmals durch Europa und die Kirche verkauft das natürlich als “Strafe Gottes für alle Sünden”.
Nicht gerade die beste Zeit um eine sexuelle Revolution voran zu treiben…

Renaissance

Willkommen in eine neue Epoche, wo eine nackte Venus Statue einfach schön ist und nicht unchristlich, wo Menschen ihren Körper wieder entdecken, wo Päpste heimlich Liebhaber und/oder Liebhaberinnen haben.
Die Kirche ist nicht mehr die alleinige und absoluter Macht über Wissen und Kultur, die Wissenschaft macht die ersten Schritte, die bildende Künste sind begehrt und die Mode wird zur schau gestellt. Europa befreit sich langsam aus der Korsett der Kirche und wer kann geniesst diese neu gewonnene Freiheiten. Bildhauer und Maler gestalten grossartige und realistische Kunstwerke, nackte Kunstwerke die in alle Details zeigen was Mann und Frau haben, ausgestellt in prominente Orte und für alle sichtbar. Homosexualität ist zwar nicht salonfähig aber wird weitgehend toleriert. Inquisition und Repression durch die Kirche gehört der Vergangenheit. Philosophen überlegen warum wir überhaupt Freude empfinden und welches Nutzen das alles hat. Die Renaissance ist ein Bruch mit der Vergangenheit und die Sexualität, neben andere wieder entdeckten Freiheiten, wird ziemlich zelebriert.

Moderne

Das ist eine Zeit geprägt von Umbrüche, Revolutionen und Kriege. Die Industrialisierung beginnt, die Franzosen ersetzen König durch Republik, fremde Länder werden unterjocht und Kolonialisiert, Kriege wüten durch Europa und die Kirchen gewinnt wieder an Macht. Kirchen weil die Reformierten sich vom den korrupten und sündigen Katholiken abspalten. Diesmal ist nicht Rom der die Schraube um die Sexualität anzieht sondern die Reformierten die eifrig zeigen wollen wie es “richtig” geht. Einmal mehr geht es zurück zur Methoden der Vergangenheit, nur diesmal übt die Kirche auch Druck auf staatliche Organe und “benimm Regeln” entstehen, niedergeschrieben als Gesetze. Erst die sexuelle Revolution und die Hippie-Bewegung rütteln an diese Ordnung.

Fazit

Es war eine wilde Zeit voll von auf und ab. Gemessen an diese vergangenen Epochen stehen wir jetzt ziemlich am Anfang eine neue aufwärts Periode was Sexualität angeht. Es ist zu hoffen das die ewiggestrigen früher oder später in der Minderheit geraten und wir uns alle einmal mehr aus der Ketten der Vergangenheit befreien können und die Sexualität so offen erleben können wie damals die Römer.
Gut, ein paar Ketten würde ich aber trotzdem behalten 😉

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