Normal

Normal

Ich möchte ein kleines Experiment mit euch führen.

„Der Dom befehlt und sie Sub folgt gehorsam.“
“Normal” werden die meisten meine Blog Leser denken, schliesslich die grosse Mehrheit davon sind SM-Anhänger.

Konkretisieren wir ein bisschen das ganze:
„Der Dom befehlt der Sub die eigene Spucke aus dem Boden aufzuschlürfen.
Ohne zu zögern führt die Sub das Befehl aus.“
Manche von euch werden es nicht mehr so “normal” finden, einige sind an der Gedanke geekelt.

Was hat sich geändert? Es ist nun nicht mehr eine idealisierte Vorstellung. Die eigene Fantasie kann nicht mehr die Lücken ausfüllen mit das, was wir für genehm oder angebracht finden.
Nun möchte ich das ihr euch vorstellt mitten in ein Spiel zu sein, in euere gewöhnte Umgebung, mit eueren SM-Partner. Es besteht völliges Vertrauen zwischen euch. Seid ihr soweit? Ok.
Und jetzt fällt das gleiche Befehl.
Manche die vorher “Iihh…” gedacht haben würden es jetzt machen oder finden es erregend.
Warum? Wahrscheinlich weil ihr euch euer Vertrauenspartner, euer Spiel, euere Regeln vorgestellt habt.

Vertrauen ist das Schlüsselwort. Vertrauen ist das was uns abwegige Moralvorstellungen und gesellschaftliche Regeln ausser kraft setzten lässt.
Es ist für aussenstehende schwer vorstellbar das Scham- und Schuldgefühle nicht da sein können, das harte Sex nicht schmutzig ist und das dreckig ganz geil sein kann.
Eine Parallelweit ohne Tabus und Zwänge, das ist SM.

Überlegt aber wie oft ihr im Alltag ein Saftword benützt. Nein, nicht “Rotegrütze” sondern das allgemein gesellschaftlich akzeptierte Safeword: “Können wir bitte das Thema wechseln?”
Was aber da draussen ein “bitte” beinhaltet und als Frage gestellt wird, wird in SM als Satz ohne wenn und aber ausgesprochen. So streng die Regeln beim Spiel auch sein mögen, eine Sub hat sich beim Saftword nicht zu fügen. Das erleben wir im Alltag praktisch nie, denn wir wollen ja nett sein. Politisch betrachtet ist SM ein demokratische Machtspiel mit gewählte Führung und durch Mehrheit definierte Regeln.

Eigentlich sind aber die Unterschiede zwischen SM und unser Alltag viel subtiler…
Wir sind täglich in Machtspiele involviert, wir befolgen oder erteilen Befehle, fügen uns an Regeln oder definieren die. Wir sind gewöhnt an Institutionelle Mächte wie Regierungen und Polizei, wir leisten unsere Arbeit in geschäftlich definierte Machtverhältnisse.
Auch hier ist Vertrauen Grundvoraussetzung damit das ganze System funktioniert.
Was ist nun der Unterschied? Egoismus.

Während bei SM, Macht zum wohl beide Parteien ausgeübt wird, wird Macht bei Politik und Geschäft sehr oft eigennützig angewendet. Das Resultat ist das wir dieser missbrauch früher oder später erkennen und das zerstört das Vertrauen. Machtkorruption eben.
Wir fühlen uns betrogen, wenn die von uns gewählte „Politische-Doms“ unser Vertrauen missbrauchen.

Ist daher SM ein sauberer Machtgebilde?
In manchen Hinsicht ja. In dem wir uns nicht in vorgegeben Strukturen zwängen und alles in Absprache stattfindet, sind die Verhältnisse klarer, transparenter, echter.
Ich möchte hier nicht behaupten das wir mehr SM-ler in der Politik und Institutionen brauchen, ein bisschen Ehrlichkeit würde aber sicher nicht schaden…
Wir müssten uns lediglich daran gewöhnen das Polizisten mit Gerte anstatt Schlagstock stolzieren und das ein Ministerpräsident mit Nieten bestückte Ledermanschetten “normal” ist 🙂

 

* Im Beitrag ist häufig die Konstellation Dom=Männlich und Sub=Weiblich aus Einfachheit angewendet. Selbstverständlich sind die Rollen unter Geschlechter beliebig austauschbar.

** Das Beitragsbild zeigt keine Sub die die eigene Spucke ausschlürft. Ich entschuldige mich dafür bei alle die es geil finden. Als Katzenliebhaber habe ich stattdessen eine Süsse Mieze als Ersatzbild für euch ausgesucht.

abbruch

Kein Abbruch

Wie weit ist zu weit?
Das ist die Frage die sich Doms ab und zu stellen, überhaupt die sich stellen sollten.

Es läuft gerade wunderbar, sie ist gefesselt vor dir und auf ihre Haut sind die Zeichen deiner Lust sichtbar. Die Geilheit brennt in dir und deine Hand juckt es weiter zu peinigen.
Die Geräusche die sie von sich gibt sind Streicheleinheiten für deine sadistische Seele.
Machst du weiter?
„Ja klar, sie wird schon stop sagen wenn es zu viel ist.“
Und was wenn sie es nicht sagt? Wenn sie im Rausch gar nicht mehr dazu kommt?
Willst du sie über die Klippe springen lassen ohne zu wissen wo sie landet?

Es ist nicht einfach auf all diese Fragen eine Antwort zu geben.
Die Situation, die Gemüter sind entscheidend.
Was heute gerade richtig ist, kann morgen zu viel und übermorgen nur ein flaues Wind sein.
Paare die lange genug zusammen sind haben es einfach. Die haben mit der Zeit eine nichtverbale Kommunikation entwickelt, man weiss instinktiv was der andere gerade denkt.
Was aber wenn man sich noch nicht so gut kennt?

„Es gibt ja das Safeword! Die Lösung alle Probleme.“
Nicht ganz…
Ich betrachte Safewords als überbewertet und zum Teil als Humbug.
Je nach Situation, kann derjenige der gepeinigt ist, gar kein Wort mehr über die Kehle bringen weil er schon im Rausch ist, im Subspace.
Manche würden es schreien aber „um zu gefallen“ schweigen mutwillig, bis es schon zu weit ist.
Vor allem wenn man sich noch nicht so gut kennt ist empfehlenswert nachzufragen.
Manche mögen es „Voll-Verbal“, andere benützen eine Skala von 1 bis 10 oder „die Ampel“ mit grün, gelb und rot.
Ständig nachzufragen kann aber auch nervig sein und sogar die Spannung zerstören.
Ein Weg um zu erfahren wie es ihr geht, ohne ein Spannungsabbruch zu verursachen, ist denkbar einfach: sag einfach was du noch vor hast und sehe wie sie reagiert.
Somit weisst du wie ihr Gemüt ist und nebenbei kurbelst ihr Kopfkino an.

In diesem Sinne, viel spass zu zweit 🙂

 

Mayday !

…oder wenn es nicht klappt,

und ich meine damit nicht eine erektile dysfunktion, sondern der Abbruch eine Session/Spiel.

Einige von euch haben es wahrscheinlich schon erlebt, es fängt gut an aber es kommt der Moment wo es nicht mehr weiter geht.
Es gibt unzählige Gründe warum es nicht sein soll:
es kann ein fehlen an Feedback sein, ein Geruch, eine Aussage, eine Geste, die Spannung ist weg, die Erregung ist flöte…
Was nun?

Ich kann nur auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen denn das ist ein Thema der nicht gerne besprochen wird.
Ja, das ist mir schon ein paar Mal passiert das ich abgebrochen habe oder das Seitens der Sub ein Veto kam.
Ich finde es überhaupt nicht schlimm, es geht ja schliesslich um Chemie, Verständnis und Vertrauen und wenn diesen nicht mehr gegeben sind, macht es keinen Sinn weiter zu machen.
Ich bevorzuge Qualität gegenüber Quantität und ich verzichte gerne auf eine schlechte Session. Beide sollten es geniessen und sich dabei wohl fühlen.

Was ich aber persönlich sehr wichtig finde, ist ehrlich darüber zu erklären warum es nicht klappt !
Es ist für die/der andere nie besonders schön ein “Stop” oder “Mayday” zu hören und es ist nur fair die Gründe preiszugeben.
Ich hatte schon die verschiedenste Gründe gehabt: von Körperhygiene bis zu angst um der mentale Zustand der Sub.
Ein offene Gespräch nach der Abbruch schafft Klarheit und keine ist danach verärgert.

Und was sind eure Erfahrung ?