Deviant

Deviant

Ich bin deviant, ich weiche von der gesellschaftlichen Normen ab.
Klar, ich bin ein dominante Sadist und das ist sicher nicht was Herr Müller und Frau Meier als „normal“ bezeichnen. Ich bin immer bemüht BDSM aus der schmutzige Ecke der Gesellschaft zu ziehen und zu zeigen das wir nicht alle Krank sind, ich mach mir aber keine Illusionen: Ich werde nicht alle überzeugen können. Deswegen schlafe ich aber nicht schlechter 😉

Diskriminierende Deviant Vergleich

Ich hab vor ein paar Tage ein Bericht auf ZDF-Info gesehen: Milliardengeschäft Porno – Gefahr aus dem Internet
Das die Porno-Industrie Milliarden verdient ist nichts neues, das Millionen Leute sich täglich Pornos reinziehen ist auch keine Überraschung, beängstigend sind aber ein paar Aussagen die darin vorkommen.
Gemäss eine Studie aus dem Jahr 1997, regelmässige Porno-Konsum lässt die Neigung zur devianter / abweichender Sexualität (Gewalt, SM, Pädophilie, ua) um 31% steigen. Ich finde absurd, falsch und extrem diskriminierend das SM im gleichen Satz mit Pädophilie erwähnt wird. ICD-10 hin und DSM-IV her, ich weigere mich in der gleiche Schublade gesteckt zu werden mit Kinderschänder und Psychopaten! *** Tief atmen… ***
Ich kann nachvollziehen das jemand der eine SM-Neigung trägt ein „Aha-Erlebnis“ haben kann wenn er/sie eine entsprechende Szene in ein Porno sieht. Wer BDSM kennt und praktiziert weiss aber das die Neigung nicht durch das Porno-Konsum verursacht wird sondern lediglich bewusst wahrgenommen wird. Niemand wird Sadist oder Masochist weil er/sie ein Porno gesehen hat. Neigungen können nicht induziert werden und sind auch nicht ansteckend…
Abgesehen davon, das was bei der meisten Pornos als BDSM präsentiert wird ist sowieso weit entfernt von der Realität!

Kein Bezug zur Realität

Weiterhin wird erwähnt das „Die Neigung zur sexueller Gewalt steigt um 22% und die Akzeptanz zur Vergewaltigungsmythen steigt um 31%“. (Hier sollte man „Neigung“ mit „Tendenz“ austauschen ansonsten gibt es Verwirrung mit der Begriffe).
Das finde ich mehr als beunruhigend! Offenbar eine ganze Menge Porno-Zuschauer glauben das was sie sehen sei die Wirklichkeit.
Leute, das sind Darsteller die vor eine Kamera stehen/liegen und Anweisungen von ein Regisseur folgen. Oder glaubt ihr auch das Avatar wirklich auf Pandora gedreht wurde?
Das schlimme ist das sehr viele Jugendliche wirklich denken das alle Frauen „Bitches“ sind die nur darauf warten hart genagelt zu werden.

Das Leben ist kein Ponyhof

Liebe Porno-Konsumenten, lasst euch von eine der wirklich deviant ist mal etwas erklären:
Frauen sind keine Sex-Objekte. Es sind keine Titten-und-Ärsche-auf-zwei-Beinen und die fallen auch nicht in Ohnmacht um wenn ihr Schwanz-Bilder schickt! Wenn ihr sowas wie ein willenlose Opfer wollt, kauft euch eine Puppe.
Nicht jeder ist unterwürfig und/oder masochistisch und auch wenn, das müsst ihr euch erst verdienen. Nicht mit Macho-Sprüche oder mit Sätze die ihr in irgend eine billige Porno-Produktion gehört habt sondern mit Vernunft, Verstand, Charme und Empathie.

Ich bin nicht Christian Grey!

Ich bin nicht Christian Grey!

Ich hab kein Hubschrauber, ich bin kein Audi Fan und ich dirigiere kein Konzern.
Das wären schon drei Gründe mich von Mr. Grey zu unterscheiden, es wäre aber ziemlich oberflächlich.
Ein paar von euch werden schon denken „Ach, schon wieder eine Abhandlung über Grey?“
Schon 2015 hatte ich in mein Beitrag Fifty Shades of Dan meine erste Kritik geäussert. Nun sind schon zwei der drei Bücher verfilmt worden und sehe mich in der Pflicht, stellvertretend für alle seriöse Doms, eine Warnung auszusprechen.

Auf der gesamte Welt hat Fifty Shades of Grey für Diskussionen gesorgt und es ist unumstritten das es in Schriftlicher- und Flimmer-Form ein Millionen Publikum erreicht hat.
Fact ist aber auch das in der SM-Welt dies nicht gerade das Lieblingsbuch / Film geworden ist. Die meiste SMler reagieren ziemlich allergisch wenn man es erwähnt.
Die Kritiken seitens SMler reichen von „absurd“ bis zu „realitätsfremd“. Wir wissen wie es in der Wirklichkeit abgeht, wir sind ja die Fachkräfte.
Was ist aber bei Leser und Kinobesucher hängen geblieben? Das ich es kritisch sehe ist schon klar, was aber soll ein Vanilla Publikum darüber denken?

Gehen wir mal der Geschichte in der Kurzfassung nach.
Ana trifft Christian als 21 Jährige Jungfrau, also absolut unerfahren und ahnungslos und wird ziemlich schnell mit ein Vertrag konfrontiert. Die Beziehung die dabei entsteht wechselt zwischen Romanze und SM und in laufe der Zeit merkt sie wie kontrollsüchtig und manipulativ er ist. Er erklärt ihr das er durch missbrauch zur SM gekommen ist und sie will ihn davon heilen. 

Als aller erste, ich mag zu bezweifeln das eine Ahnungslose in der Lage ist ein SM-Vertrag zu verhandeln.
Das solch ein Vertrag in Wirklichkeit keine rechtliche Bindung nach sich zieht wird natürlich nicht erwähnt.
Was ich aber viel bedenklicher finde ist das die liebe Ana gar nicht in der Lage ist zu verstehen auf was sie sich einlässt. Das entspricht kaum eine „Freiwilligkeit“ wie es SSC (Safe, Sane, Consensual) voraussetzt.
Ein Mr. Grey kann, macht seines Vertrages, mit Ana tun und lassen wie er mag. Das es dabei zum Teil um Missbrauch handelt geht an den Zuschauer vorbei, die interessieren sich mehr für die erotische Szenen.
Im laufe der Beziehung bricht Christian regelmässig ihr entgegengebrachte Vertrauen und respektiert auch nicht Anastasias Grenzen. Ich bezeichne das als bodenlose Frechheit und absolute No-Go, das Vanilla Publikum denkt aber das Mr. Grey damit ein starke Charakter zeigt, das er Selbstbewusst sich nimmt was er will.
Das die Autorin SM als Krankheit darstellt geht übrigens offenbar am Publikum vorbei. Keine der von mir befragte hatte auch nur eine blasse Erinnerung davon.

Bedenklich ist vor allem das die meiste Vanillas denken SM sei und funktioniere exakt so wie im Buch / Film gezeigt wird!
All das was wir SMler schnell als unrealistisch oder absurd enttarnen wird von Vanillas, mangels Erfahrung, als Realität empfunden und akzeptiert.
Ich will gar nicht wissen wieviele pseudo-Doms mit aufkeimende psychopathische Tendenzen, durch Bücher und Film eine Bestätigung für ihr handeln gefunden haben…
Geschweige denn wieviele Frauen die Übeltaten ertragen mussten, ihr Peiniger wie im Roman verzeihen weil „Er liebt mich doch“…
Mein Fazit ist also das falsche Erwartungen, verzerrte Ethik, nicht sichere und vor allem nicht durchdachte Handlungen propagiert werden.
Seid also auf der Hut wenn jemand FSoG erwähnt, das ist keinesfalls eine Referenz!

Ich kann aber mit Stolz sagen: Ich bin nicht Christian Grey!

 

 

das ding mit der realität

Das Ding mit der Realität

Realität ist so eine Sache…
Es kann positive oder negative Auswirkungen haben aber egal wie wir das persönlich interpretieren, eines ist sie immer: Realität ist ehrlich.
Wir sind schon komische Geschöpfe, wir sehnen uns nach Realität und doch flüchten wir oft und gerne in Fantasien, weil wir können die Realität zwar beschönigen oder relativieren, nur ändern lässt sie sich nicht.
Sie kann uns frech ins Gesicht schlagen oder uns wieder auf dem Boden bringen.
Unverfroren, direkt, schamlos und manchmal auch gnadenlos.

Wir Doms spielen gerne mit Fantasien, vor allem mit fremden aber schlussendlich ergötzen wir uns aus reelle Auswirkungen. Es ist fast wie ein physikalische Prinzip: durch Fantasien erzeugen wir eine fassbare Realität.

Ich bin ein Realitätsjunkie.

punk?

Punk?

„Wir sind eben Punk!“ sagte neulich ein Freund in Bezug auf SM.
Sind wir das?

Zugegeben, wir sind was das Beziehungsmodell angeht, ziemlich antikonformistisch.
Wir scheren uns nicht um Moralwerte und manche von uns provozieren auch gerne.
Ist aber unsere Einstellung ein Kampf gegen das Establishment?
Ich denke nicht. SM ist doch keine Protestbewegung.
Wer denkt SMler sind Punk hat meine Meinung nach eine verzerrte Sicht der Dinge.
Wir wollen doch keine Revolution anzetteln oder das Land anarchisch unterwandern…
Das ausleben der Neigungen ist kein Protest sondern eine persönliche Freiheit die wir beanspruchen und ausleben.

Punk und BDSM haben aber auch Berührungspunkte.
Vor allem am Anfang bediente sich die Punk-Szene aus verschiedene SM-Shops.
Umgekehrt sind bei Fetisch-Parties Steampunk Outfits sehr beliebt.
Ich denke aber nicht das diese Austausche der eigentliche Sache dienlich sind, schlussendlich geht es nur um Provokation, um sich absondere und eine Linie zu zeichnen zwischen „wir“ und „die andere“.

Aber wozu provozieren?
Punk mag die Musik und die Mode beeinflusst zu haben, das Establishment ist aber noch da. Lediglich die Macht hat sich verschoben von der Regierung zu weltumspannende Konzerne die unser Alltag gleichzeitig versüssen und verbittern. Es ist nicht mehr so einfach auf der Schuldige mit dem Finger zu zeigen…
Und SM? Ist auch nicht Mainstream geworden. Es wird langsam akzeptiert aber seien wir ehrlich, was die Masse zu akzeptieren glaubt ist ein Märchen-SM produziert in Hollywood, der aber weit entfernt von der Realität ist.
Ich bin überzeugt die meisten würden und können nicht verstehen was wir treiben, geschweige denn warum.

Wenn wir Punk sind, haben wir verloren.
Wenn wir selber eine Trennlinie zeichnen wie wollen wir jemand überzeugen diese Linie zu überschreiten? Wenn wir Leute mit Auftritte erschrecken, wie wollen wir ein Dialog anfangen?