pubs, loud sex and history

Pubs, loud sex and history

Zurück aus London und seine Vororte Reading und Theale.
Ich bin kein freund der Britische Kultur, also nicht von der aktuelle, ich bin aber durchaus angetan von der Geschichte der ehemalige Empire.
Es gibt eine ganze Menge historische Gebäuden und was ich seit eh und je besonders faszinierend finde: Schlösser und Befestigungen.
Einerseits bin ich immer wieder überrascht wie solche Gebäuden und Komplexe aufgebaut wurden, mit Manneskraft, Geschick und einfachste Werkzeuge. Anderseits sind die damit verbundene Geschichten sehr interessant: Macht, Intrige, Verrat, Komplotte, Revolten, …
Theale ist zwar ein richtig schnuckelige kleine mittelalterliche Dorf, zu klein um die Geschichte zu prägen, kann man denken. Und doch kann man sich täuschen…
Ich hab ein paar Bier in „The Bull Pub“ getrunken und habe die Geschichte des Haus erfahren.

Man sagt das gegen Anfang des 18. Jahrhundert ein gewisse Henry Addington aus Reading regelmässig zu gast im Pub war. Nicht weil das Blatch’s Ale der darin gebraut wurde so fine schmeckte, eher die Zimmer im Obergeschoss wurden regelmässig gebucht.
Henry war zu dem Zeitpunkt Parlamentarier im House of Commons und traf sich heimlich im Pub mit seine geliebte, eine Französin mit name Colette. England und Frankreich waren keine Freunde, die Französische Revolution hatte König und Aristokratie weggefegt, Napoleon war an der macht und der hegte keine freundschaftliche Beziehungen zum königliche Nachbarn auf der andere Seite der Ärmelkanal. Ein Parlamentarier und eine Französin: das ist Hochverrat.
Henry war aber immer sehr spendabel und das half ungemein die Gerüchte im Zaun zu halten.
Weiter erzählt man das Colette von betörende Schönheit sei und ausserdem sehr laut beim Liebesspiel, was aber kein störende Faktor war bei der Pub Besucher, im Gegenteil 🙂
Die Politik spielte aber nicht mit, am 14. März 1801 wurde Henry als Premier Minister erkoren und die Liaison würde ihm zu gefährlich. Am darauf folgende Samstag wartete Colette auf ihr Henry, stattdessen kam aber nur ein Bote mit ein Brief.
Man weiss nicht was im Brief stand aber Colette hat offenbar das Lokal in Rage verlassen und wurde nie mehr gesehen. Die Ernennung als Premier Minister war aber nicht von lange dauern, schon am 10. Mai 1804 wurde Henry durch William Pitt ersetzt. Offiziell wurde Henry abgewählt, doch man munkelt das die verschmähte Colette wohl Rache geübt hatte und die Beziehung publik gemacht… Nur die Freundschaft mit König George der Dritte rettete halbwegs seine Karriere.
Seither ist in „The Bull“ Tradition: wenn eine Dame ein Orgasmus laut und naturecht vortäuscht, bekommt sie die Drinks um sonst nach der Ruf „Colette, Colette, Colette!“

In diesem Sinne, Prost!

Normal

Normal

Ich möchte ein kleines Experiment mit euch führen.

„Der Dom befehlt und sie Sub folgt gehorsam.“
Normal” werden die meisten meine Blog Leser denken, schliesslich die grosse Mehrheit davon sind SM-Anhänger.

Konkretisieren wir ein bisschen das ganze:
„Der Dom befehlt der Sub die eigene Spucke aus dem Boden aufzuschlürfen.
Ohne zu zögern führt die Sub das Befehl aus.“
Manche von euch werden es nicht mehr so “normal” finden, einige sind an der Gedanke geekelt.

Was hat sich geändert? Es ist nun nicht mehr eine idealisierte Vorstellung. Die eigene Fantasie kann nicht mehr die Lücken ausfüllen mit das, was wir für genehm oder angebracht finden.
Nun möchte ich das ihr euch vorstellt mitten in ein Spiel zu sein, in euere gewöhnte Umgebung, mit eueren SM-Partner. Es besteht völliges Vertrauen zwischen euch. Seid ihr soweit? Ok.
Und jetzt fällt das gleiche Befehl.
Manche die vorher “Iihh…” gedacht haben würden es jetzt machen oder finden es erregend.
Warum? Wahrscheinlich weil ihr euch euer Vertrauenspartner, euer Spiel, euere Regeln vorgestellt habt.

Vertrauen ist das Schlüsselwort. Vertrauen ist das was uns abwegige Moralvorstellungen und gesellschaftliche Regeln ausser kraft setzten lässt.
Es ist für aussenstehende schwer vorstellbar das Scham- und Schuldgefühle nicht da sein können, das harte Sex nicht schmutzig ist und das dreckig ganz geil sein kann.
Eine Parallelweit ohne Tabus und Zwänge, das ist SM.

Überlegt aber wie oft ihr im Alltag ein Saftword benützt. Nein, nicht “Rotegrütze” sondern das allgemein gesellschaftlich akzeptierte Safeword: “Können wir bitte das Thema wechseln?”
Was aber da draussen ein “bitte” beinhaltet und als Frage gestellt wird, wird in SM als Satz ohne wenn und aber ausgesprochen. So streng die Regeln beim Spiel auch sein mögen, eine Sub hat sich beim Saftword nicht zu fügen. Das erleben wir im Alltag praktisch nie, denn wir wollen ja nett sein. Politisch betrachtet ist SM ein demokratische Machtspiel mit gewählte Führung und durch Mehrheit definierte Regeln.

Eigentlich sind aber die Unterschiede zwischen SM und unser Alltag viel subtiler…
Wir sind täglich in Machtspiele involviert, wir befolgen oder erteilen Befehle, fügen uns an Regeln oder definieren die. Wir sind gewöhnt an Institutionelle Mächte wie Regierungen und Polizei, wir leisten unsere Arbeit in geschäftlich definierte Machtverhältnisse.
Auch hier ist Vertrauen Grundvoraussetzung damit das ganze System funktioniert.
Was ist nun der Unterschied? Egoismus.

Während bei SM, Macht zum wohl beide Parteien ausgeübt wird, wird Macht bei Politik und Geschäft sehr oft eigennützig angewendet. Das Resultat ist das wir dieser missbrauch früher oder später erkennen und das zerstört das Vertrauen. Machtkorruption eben.
Wir fühlen uns betrogen, wenn die von uns gewählte „Politische-Doms“ unser Vertrauen missbrauchen.

Ist daher SM ein sauberer Machtgebilde?
In manchen Hinsicht ja. In dem wir uns nicht in vorgegeben Strukturen zwängen und alles in Absprache stattfindet, sind die Verhältnisse klarer, transparenter, echter.
Ich möchte hier nicht behaupten das wir mehr SM-ler in der Politik und Institutionen brauchen, ein bisschen Ehrlichkeit würde aber sicher nicht schaden…
Wir müssten uns lediglich daran gewöhnen das Polizisten mit Gerte anstatt Schlagstock stolzieren und das ein Ministerpräsident mit Nieten bestückte Ledermanschetten “normal” ist 🙂

 

* Im Beitrag ist häufig die Konstellation Dom=Männlich und Sub=Weiblich aus Einfachheit angewendet. Selbstverständlich sind die Rollen unter Geschlechter beliebig austauschbar.

** Das Beitragsbild zeigt keine Sub die die eigene Spucke ausschlürft. Ich entschuldige mich dafür bei alle die es geil finden. Als Katzenliebhaber habe ich stattdessen eine Süsse Mieze als Ersatzbild für euch ausgesucht.