Philosophie

Philosophie

Als Weihnachtsgeschenk habe ich eine Magen-Darm Grippe bekommen und in Fieber delirium hatte ich eine Vision: die Philosophie der drei Stufen der BDSM-Erleuchtung.
Nein, nein, keine sorge mir geht es wieder gut und ich werde keine Sekte begründen (obwohl…).

Was macht aus ein Dom ein guter Dom war wohl die Frage die sich mein Unterbewusstsein heimlich in den Fieber Meander gestellt hat.
Ist es die Technik, die Finesse oder die Empathie? Ja, ja und ja sind die jeweilige Antworten.
In mein Delirium sah ich konzentrische Kugeln und mir wurde es klar: es sind Stufen.

Können (alles hat ein Anfang)
Das ist wohl der erste Schritt, vom denken zum machen. Seine Fantasien in der Tat zu verwirklichen, eine Sub zu finden und zu verführen, die geile Visionen in Realität umzuwandeln.
Das hört sich einfacher an als es ist und jeder ist sicher schon in Ablauf-Stopper eingetappt:
Die Sub ist endlich schön gefesselt wie ein Salami aber moment mal… was nun?
Es braucht Übung und ein bisschen Fantasie um es fliessend zu machen und irgendwann kann man es. Es ist aber bis jetzt ziemlich Dom Egozentrisch und obwohl der Geilheit-Faktor gegeben ist, etwas fehlt…

Kennen (der goldene Schnitt)
Mit der Zeit merkt man wie die Sub reagiert und der Dom wird versuchen gewisse Reaktionen gezielt hervorzurufen. Er wird an ihre Ängste, Sehnsüchte und Wünsche herumkitzeln. Das Spiel wird zur Kopfsache und raffinierter. Die Werkzeuge wechseln von der Peitsche hin zu Gedanken, das Kopfkino wird zelebriert. Es ist plötzlich eine Qualität die man nicht mehr missen will. Doch es geht noch weiter…

Fühlen (die Art zu schweigen)
Wenn anstatt ein Gestöhne nur ein leichtes Zittern reicht, wenn ein einzige Blick ganze Sätze ersetzt dann ist die innerste Kugel meiner Vision erreicht. Wenn eine einzige Berührung das Spiel im gang setzt und Dom und Sub auf der gleiche Welle der Geilheit tanzen ist das ziel erreicht. Nicht ein Ziel in spielerischen Sinn, natürlich sind da keine Grenzen gesetzt, ein Ziel in der Art der Beziehung. Von hier an ist die Summe der Gefühlen von Dom und Sub die das Spiel vorantreiben.

Das kling philosophisch und das ist es auch. BDSM ist keine Lebensweise sondern viel mehr eine Denkweise. In diesem Sinne, denkt ihr ruhig weiter.

Wieso machst du das?

Wieso machst du das?

Auf die Frage „Wieso machen die das?“ muss ich zugestehen das ich meistens mit „weil die das können“ antworte. Es hört sich zunächst abgedroschen und abgelutscht aber es steckt viel mehr dahinter als man denkt, es kommt auf die Perspektive an.

Im Beruf bin ich unter anderem für die IT-Sicherheit zuständig und das oben erwähnte Satz heisst übersetzt: „wir haben es nicht verboten, also ist es erlaubt.“ Das geht mit ein andere Spruch Hand in Hand: „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

In Zusammenhang mit BDSM hat das aber eine komplett andere Bedeutung…

Wenn in ein Film jemand mitten im Spiel ausgepeitscht wird, das Kommentar „wieso machen sie das?“ heisst so etwas wie „wofür soll das gut sein?“  Nun, wir Insider wissen wofür es gut ist, wie aber erklärt man das einen Vanilla? Die meisten würden nicht verstehen das Schmerz nicht das wesentliche ist…

Ich hab letzthin irgendwo gelesen das Sex sei vergleichbar mit Schach: wenn man es beherrscht will man nicht mehr mit Anfänger spielen. Ich will hier nicht behaupten das wir SMler es beherrschen, wir wählen aber bewusst ein andere weg zum Ziel. Sex ist meistens egoistisch, es geht um die eigene Befriedigung durch ein Orgasmus. Bei SM Spiele ist es nicht anders aber der Weg dahin ist wesentlich wichtiger. Ich will doch auch ein Orgasmus, nicht aber „egal wie“. Wir SMler pflegen ein kultiviertere weg zum Höhepunkt als andere. Wenn es um BDSM geht lautet also die Antwort auf die Frage „wieso machst du das?“ eindeutig „weil es viel besser ist.“ Das kann aber ein Vanilla nicht verstehen, er steckt in Konventionen und Moralwerte die ihn verbieten soweit über das Tellerrand  zu sehen. Die können sich nicht vorstellen das ein Orgasmus in ein Gemütszustand von „ich weiss nicht mehr wo oben und unten ist, ich weiss nicht mehr was ich bin, ich finde es aber geil!“ viel intensiver als ein in der Missionarstellung hervorgerufene Höhepunkt sein kann. Es dämmert ihnen nicht ein das ein Intellektueller Reiz weit mehr verursachen kann als ein rein mechanischen Stimulus… Bei SM wird weit mehr als nur eine erogene Zone stimuliert, es wird vor allem das grösste sexueller Organ gekitzelt: das Gehirn.

Es ist nicht einfach, es braucht Geduld und Übung. Das beherrscht man nicht beim ersten Mal, es muss gelernt werden.

Wenn du mich also fragst „wieso machst du das?“ lautet meine Antwort: „weil ich es kann“ 🙂