Gehorche

Gehorche!

Ich folge seit geraumer Zeit das Blog von Master P und ich kann eine seine Beiträge nur zustimmen: You are a slave you don’t need to obey anyone
Frei übersetzt: du bist eine Sklavin, du musst niemand gehorchen.

Was zuerst wie ein Paradoxon klingt ist aber wahr.
Es gibt sehr viele (speziell Männer) da draussen die möchten nur von der Situation profitieren.
Sie denken eine Sklavin erfüllt alle wünsche und mit ein finger schnippen liegt sie nackt auf alle vier… Wunschdenken eben.
Eine Sklavin, eine Sub, eine Devote, gehorcht nicht weil sie das muss sondern weil sie das will.
Es ist ein Akt der Vertrauen, ein Dom muss sich das zuerst verdient um es danach gemeinsam aufzubauen.

Es tut mir leid liebe Möchtegern-Doms, das Leben ist kein Abklatsch ein billiges Porno.
Frauen sind nicht da um die Willkür von Pseudo-Machos zu folgen und schon gar nicht um als Sexobjekte zu dienen. Wer das denkt, möchte bitte schnell Webseite wechseln!
Ich sehe regelmässig Leute die googeln nach „wie unterwerfe ich meine Freundin“ und ähnliches. Wer nach ein Rezept danach sucht hat schon verloren!

Also Sklavin, gehorche! Gehorche dich selbst!

Normal

Normal

Ich möchte ein kleines Experiment mit euch führen.

„Der Dom befehlt und sie Sub folgt gehorsam.“
“Normal” werden die meisten meine Blog Leser denken, schliesslich die grosse Mehrheit davon sind SM-Anhänger.

Konkretisieren wir ein bisschen das ganze:
„Der Dom befehlt der Sub die eigene Spucke aus dem Boden aufzuschlürfen.
Ohne zu zögern führt die Sub das Befehl aus.“
Manche von euch werden es nicht mehr so “normal” finden, einige sind an der Gedanke geekelt.

Was hat sich geändert? Es ist nun nicht mehr eine idealisierte Vorstellung. Die eigene Fantasie kann nicht mehr die Lücken ausfüllen mit das, was wir für genehm oder angebracht finden.
Nun möchte ich das ihr euch vorstellt mitten in ein Spiel zu sein, in euere gewöhnte Umgebung, mit eueren SM-Partner. Es besteht völliges Vertrauen zwischen euch. Seid ihr soweit? Ok.
Und jetzt fällt das gleiche Befehl.
Manche die vorher “Iihh…” gedacht haben würden es jetzt machen oder finden es erregend.
Warum? Wahrscheinlich weil ihr euch euer Vertrauenspartner, euer Spiel, euere Regeln vorgestellt habt.

Vertrauen ist das Schlüsselwort. Vertrauen ist das was uns abwegige Moralvorstellungen und gesellschaftliche Regeln ausser kraft setzten lässt.
Es ist für aussenstehende schwer vorstellbar das Scham- und Schuldgefühle nicht da sein können, das harte Sex nicht schmutzig ist und das dreckig ganz geil sein kann.
Eine Parallelweit ohne Tabus und Zwänge, das ist SM.

Überlegt aber wie oft ihr im Alltag ein Saftword benützt. Nein, nicht “Rotegrütze” sondern das allgemein gesellschaftlich akzeptierte Safeword: “Können wir bitte das Thema wechseln?”
Was aber da draussen ein “bitte” beinhaltet und als Frage gestellt wird, wird in SM als Satz ohne wenn und aber ausgesprochen. So streng die Regeln beim Spiel auch sein mögen, eine Sub hat sich beim Saftword nicht zu fügen. Das erleben wir im Alltag praktisch nie, denn wir wollen ja nett sein. Politisch betrachtet ist SM ein demokratische Machtspiel mit gewählte Führung und durch Mehrheit definierte Regeln.

Eigentlich sind aber die Unterschiede zwischen SM und unser Alltag viel subtiler…
Wir sind täglich in Machtspiele involviert, wir befolgen oder erteilen Befehle, fügen uns an Regeln oder definieren die. Wir sind gewöhnt an Institutionelle Mächte wie Regierungen und Polizei, wir leisten unsere Arbeit in geschäftlich definierte Machtverhältnisse.
Auch hier ist Vertrauen Grundvoraussetzung damit das ganze System funktioniert.
Was ist nun der Unterschied? Egoismus.

Während bei SM, Macht zum wohl beide Parteien ausgeübt wird, wird Macht bei Politik und Geschäft sehr oft eigennützig angewendet. Das Resultat ist das wir dieser missbrauch früher oder später erkennen und das zerstört das Vertrauen. Machtkorruption eben.
Wir fühlen uns betrogen, wenn die von uns gewählte „Politische-Doms“ unser Vertrauen missbrauchen.

Ist daher SM ein sauberer Machtgebilde?
In manchen Hinsicht ja. In dem wir uns nicht in vorgegeben Strukturen zwängen und alles in Absprache stattfindet, sind die Verhältnisse klarer, transparenter, echter.
Ich möchte hier nicht behaupten das wir mehr SM-ler in der Politik und Institutionen brauchen, ein bisschen Ehrlichkeit würde aber sicher nicht schaden…
Wir müssten uns lediglich daran gewöhnen das Polizisten mit Gerte anstatt Schlagstock stolzieren und das ein Ministerpräsident mit Nieten bestückte Ledermanschetten “normal” ist 🙂

 

* Im Beitrag ist häufig die Konstellation Dom=Männlich und Sub=Weiblich aus Einfachheit angewendet. Selbstverständlich sind die Rollen unter Geschlechter beliebig austauschbar.

** Das Beitragsbild zeigt keine Sub die die eigene Spucke ausschlürft. Ich entschuldige mich dafür bei alle die es geil finden. Als Katzenliebhaber habe ich stattdessen eine Süsse Mieze als Ersatzbild für euch ausgesucht.