Ich sehe was du nicht siehst...

Ich sehe was du nicht siehst und das ist gut so.

Ich sehe was du nicht siehst weil ich eine andere Perspektive habe.
Die Frau von nebenan sieht eine Rose und denkt „Oh ist die schön“, der Botaniker betrachtet sie und weiss in welche Familie sie angegliedert ist, die Floristin malt sich ein Strauss vor Augen und der Hund der vorbei spaziert interessiert sich keineswegs dafür und markiert darauf sein Revier.
Die Perspektive lässt Dinge anders erscheinen und gibt uns ein Kontext wo wir das gesehen hinstellen.

Ich sehe Details.

Vor einige Jahre, bei einer Club Party gab es als Überraschung eine SM-Show.
Ein Pärchen in schwarze Lederbekleidung stand auf der Bühne. Unter dröhnende düstere Musik bearbeitete er seine Partnerin mit Seile und Peitsche. Ich weiss noch wie ein Freund voll begeistert mir mit dem Ellbogen stupste: „Geil, was?“ Ich weiss auch wie ich, gar nicht begeistert antwortete: „Die ist mir zu dünn.“  Keine der Anwesende wusste das ich ein fleissige SM Anhänger bin und ich wollte mich auch nicht outen.
Damals fand ich es spannend die Reaktionen zu betrachten, zu sehen wie die verschiedene Personen die Show urteilten und für sich bewerteten. Ich sehe heute noch die bunte Mischung aus Begeisterung, Verwunderung, Angst, Abneigung und Verachtung in die Gesichter der Zuschauer. Es war für mich interessant da ich die meisten Anwesende mehr oder weniger kannte. Mein Gehirn kombinierte unbewusst die Persönlichkeiten mit den Gesichtsausdrücke und stellte unsichtbare Schilder über den Köpfen. Erika zuckte bei jeder Peitschenknall aber grinste unbewusst. Peter sah aus als wollte er gerade auf der Bühne springen und der Typ eine knallen. Jürgen hat sich mittendrin ein Bier geholt und Bea konnte nicht die Augen davon lassen. Eine Show für die meisten, ein Naturexperiment für mich. Erst im Nachhinein habe ich die ganze Situation auch selbstkritisch betrachtet.

Was hat es in mir ausgelöst?

Natürlich hatte das eine Auswirkung auf meine Freundschaften: plötzlich wusste ich zu ordnen wer dominant und wer unterwürfig war.
Ich sehe heute noch wie nach eine manipulative Bemerkung („Wenn du das nochmal machst, ich nehme dich über meine Knie und versohle dir den Arsch“), Erika’s Augen glänzten und sie Verlegen davon ging.
Was habe ich aber damals in der Show gesehen? Was habe ich dabei gefühlt?
Es war flach, nicht inszeniert aber geschwächt. Ich glaube schon das sich das Paar gut verstanden hat und ich glaube auch das sie SM im privat auch geniessen. Auf der Bühne war aber nur eine sehr verdünnte und verwässerte Version zu sehen. Es fehlte die Leidenschaft die sonst in ein SM Spiel nur so sprüht. Ich sehe eine dünne Frau die sich Anweisungen beugt aber nicht eine Frau die sich danach sehnt an ihren Platz gewiesen zu werden. Es war für mich wie lauwarmes Bier: ich weiss wie es schmecken soll und ist schade das es nicht so ist.

Während die Anwesende nur die sichtbare Oberfläche wahrgenommen haben, habe ich die schale Untiefe geschmeckt.

Eine BDSM Webseite wie die anderen

Eine BDSM Webseite wie die anderen

Eine weitere BDSM Webseite in ein Meer aus Tausend anderen. So hat alles angefangen, vor knapp zweieinhalb Jahre.
Heute habe ich zum ersten mal mein Google-Ranking gecheckt: Bei der Suche „BDSM Blog“ landet mein Seite auf Platz 2 in der Schweiz und Platz 7 jeweils in Deutschland und Österreich…
Ich hätte nie im Leben gedacht soweit zu kommen.

Unabhängig davon wie Google die verschiedene Webseiten analysiert und bewertet, ich weiss wie es dazu gekommen ist: Ich hab es euch zu verdanken!
Ihr seid diejenige die „Gefällt mir“ klickt, ihr teilt meine Beiträge auf euere Seiten, ihr seid die die mich immer wieder motivieren.
Danke dafür!

Ich hab schon ein paar mal in diese zweieinhalb Jahre daran gezweifelt, hatte Schreibblockaden, ich wollte auch schon damit aufhören.
Und doch geht es weiter. Weil ich noch nicht alles gesagt habe, weil BDSM an sich noch viel zu erzählen hat und vor allem weil ich eine treue Leserschaft habe. All die Kommentare und Mitteilungen die ich immer wieder bekomme sind mein Treibstoff.
Ich hab ganz tolle Leute durch meine Webseite kennengelernt, solche die man für gewöhnlich nicht bei einer Party trifft.
Es wurden so viele Themen angesprochen: von Dominanz, Sub, Bestrafung, Bondage, ein bisschen Sex und eine ganze Menge Gefühle.
Ich bin auch dadurch auf die eine oder andere BDSM Webseite gestossen, solche die mich inspirieren, wie The Training of O oder Kariswelt.
Andere motivieren mich auf eine andere Weise, es sind die „Möchtegern-Doms“ dieser Welt, das Unkraut der BDSM…
Vielleicht durch mein Alter entwickle ich Beschützer-Instinkte für die Anfänger, die noch ziemlich naiv und unerfahren sich durch das BDSM Universum tasten. Vielleicht möchte ich auch nur mein Karma verbessern, obwohl ich bezweifle das es etwas nützen wird 😉
Ich bin auf jeden fall froh wenn ich durch eine meine Beiträge jemand helfen kann.

Nochmal danke ihr Perverslinge, und sagt es ruhig weiter 🙂

Duende

Duende

Was wir kenner des BDSM praktizieren ist nicht zu vergleichen mit Sex oder Liebe, nicht so wie es im allgemein definiert wird.
Diese erste Satz gefällt mir aber ich merke gerade in was für ein schwieriges Terrain ich mich jetzt hinein manövriert habe… Und wie komme ich jetzt raus? Ich probiere es…

Jeder von euch kennt der Unterschied zwischen Sex haben und liebe machen.
Sex kann sehr geil und intensiv sein, die Gefühle und Empfindungen die dabei entstehen sind aber nur ein schwaches Trost wenn die Liebe nicht involviert ist. Mit Liebe ist es ein Quantensprung, eine andere Qualität, eine höhere Sphäre.
Bei BDSM verhält sich ähnlich, es ist viel nackter, authentisch und unverfälscht als alles andere.
Man redet viel mehr aber mit Blicke, mit der Haut und mit der eigene Präsenz.
Die Seele ist tastbar, direkt unter der Haut und man spürt förmlich wie sie reagiert.
Was macht dieses Unterschied? Es ist schwierig das alles in ein Wort zu fassen.
Es gibt ein unübersetzbare spanisches Wort der das am ehestens fassen kann: Duende.
Duende beschreibt ein erweiterte emotionale Stand, frei von Vorurteile. Eine unbezwungene Authentizität. Es ist nicht Rational, Duende lässt dich lachen, weinen, schreien und ekstatisch kommen ohne aber ein erklärbare Grund.
Federico Garcia Lorca hat es mehrfach erwähnt und behauptet das Duende immer ein Schatten wirft, das es eine untrennbare dunkle Seite hat. Nur wenn man diese dunkle Seite akzeptiert und über den Schatten springt kommt man im Genuss diese erhöhten Zustand.
Das machen wir doch, wir springen über diesen Schatten vor jeder Spiel und lassen unsere Seelen tanzen.

PS: wichtig ist aber auch was BDSM NICHT ist –> ¿Por qué duende?

ursprünglich

Ursprünglich

„Die Tanzenden wurden für verrückt gehalten von denjenigen,
die die Musik nicht hören konnten.“

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Wir SM tanzende werden wirklich oft missverstanden aus dem einfache Grund das die meisten nicht nachvollziehen können was daran so interessant sein kann.
Wir sind aber zum Teil auch selber schuld an dieser Unwissenheit, wir kapseln uns ab von den „Vanillas“ und behaupten oft und gerne „die können es eh nicht verstehen.
Louis Armstrong antwortete mal auf die Frage einen Journalist
„Mann, wenn du fragen musst, was Jazz ist, dann wirst du es nie verstehen“, das wäre mir aber eine wirklich zu pauschale Antwort.
Zugegeben, es ist nicht einfach ein Aussenstehende zu aufklären was wir machen und vor allem WARUM wir es überhaupt machen.
Ich probiere es trotzdem.

Bei BDSM geht es um ursprüngliche Gefühle und Empfindungen, solche die wir alle im laufe der Zeit vergessen haben. Nicht willentlich und eher schleichend haben wir den Bezug zu echte Gefühle und Empfindungen abgelegt. Wir vermeiden Körperkontakt, wir wissen nicht mehr was eine anstrengende körperliche Tätigkeit bewirken kann, wir freuen uns bedeckt und leiden still.
Das hat sich durch Erziehung und Gesellschaft in uns eingeprägt, wir merken es nicht mal mehr.
Wir empfinden „light“, wie in Watte eingehüllt.

Doch es gibt auch Momente wo „echte“ Gefühle und Empfindungen uns überfluten.
Das passiert wenn wir es nicht planen, wenn es unerwartet kommt:
– knapp ein Autounfall entkommen, die Adrenalin fliesst durch die Venen: das ist Angst.
– ein geliebter Mensch nach langer Zeit wieder getroffen und die Tränen fliessen: das ist Freude.
– ein Schraubenzieher der sich in die Handfläche bohrt beim Basteln: das ist Schmerz.
Das sind einige nur Beispiele von Gefühle die uns in diesen Moment übermannen, wir verlieren kurz die Fassung, die Kontrolle und lassen es geschehen.

BDSM spielt gerade mit solche ursprüngliche Gefühle, appelliert ans „lass es geschehen“ Teil von unser Verstand. BDSM entfernt die Watte um uns herum damit wir wieder das fühlen können wofür unser Verstand, Unterbewusstsein und Körper ursprünglich gemacht wurde.
Wir sehnen uns nach Gefühle und Empfindungen die in unsere Gesellschaft verpönt sind.
Also seid intensiv, seid empfindsam und tanzt mit mir.

eigenartig

Eigenartig

Eigenartige Geschöpfe sind wir Dom…
Andere geben sich zufrieden mit Liebe und Warmherzigkeit, ich will mehr, viel mehr.
Ich darf ganz tief in meine Sub hinein schauen, ihre Seele streicheln und die darin verborgene Sehnsüchte kitzeln. Ich ernähre mich an sehr ursprüngliche Gefühle und koste die Stille zwischen ein Seufzer und eine Zuckung.
Diese Stille, wenn sie ihre Energie sammelt, die Sprungfeder lädt um mit mir dann explosionsartig ein Stück weiter zu springen.
Eigenartig…
Wenn ich scheinbar aus dem Nichts, mit ein einzige Wort ein Schauder durch ihr Mark und Bein gleiten lassen, wenn eine zärtliche Berührung ihr Körper beben lässt.
Es gefällt mir wenn sie sich an mich klammert, in tränen, dankbar.
Diese Wärme die sonst nicht zu bekommen ist, diese herrlich tiefe Verbundenheit.