Freiwild

Freiwild

Ich hab ein kleines Experiment gestartet. Ich hab mich als Frau bei eine der grosse online SM Portale angemeldet.

Ich hab mich als 40 Jährige Verheiratete Frau ausgegeben und das ist meine Beschreibung:
„Nach reife Überlegung habe ich beschlossen doch ein Profil zu herstellen. Ich denke ich bin Devot und wahrscheinlich auch ein bisschen Masochistisch, da ich aber keinerlei Erfahrung habe kann ich es auch nicht so richtig einordnen.
Seid bitte gnädig zu mir…“

und was ich suche:
„Ich suche bevorzugt jemand erfahren und geduldig der mir behutsam die BDSM-Welt zeigen kann.“

Es ist zwei Tage her und ich habe bereits 45 Nachrichten und etliche Chat Anfragen bekommen. Mein erste Fazit?
Ich bin schockiert!

Ich wusste das man als Frau auf solch ein Portal als Freiwild angesehen wird, damit hatte ich bereits gerechnet.
Ich wusste auch das man als Frau mit eine Fülle an Profile mit Schwanzbilder konfrontiert wird (warum auch immer, ich verstehe das nicht).
Ich hab ein paar tolle Chats geführt mit echten Gentlemans (*) die wohl mein Profil gelesen und entsprechend artikuliert haben. Es waren aber nicht viele so…
Die meisten sind aber sowas von plump, arrogant, brutal oder ganz einfach doof…
Angefangen von „Na? Schon mal richtig in den Arsch gefickt worden?“ zu „Schluckst du oder hast du es lieber ins Gesicht?“ bis „Ich würde dich gerne drei Tage lang foltern“.
Auffallend bei der Chats war das es nicht lange dauerte bis die Frage kam: „Bist du rasiert?“ Das scheint echt ein Problem zu sein, keine Ahnung warum. Rasierer sind doch nicht ein Luxusgut…
Natürlich konnte auch nicht sowas wie „Zeig mir deine Fotze, du Schlampe“ und „Du Fickfleisch hast nur mir zu gehorchen!“ fehlen.
Spannend wurde als ich, ganz naive Fragen stellte wie zum Beispiel „Ich hab gelesen eine Devote muss man sich als Dominante erst verdienen, womit hast du mich denn verdient?“.
Ich erspare euch die Schimpftirade die ich zurückbekommen habe…
Es ist mir schon klar das die meisten Männer die mich angesprochen haben gar nichts, aber wirklich nichts mit BDSM zu tun haben, das ist sonnenklar.
Ich will auch dies gar nicht vertiefen, das ist leider die Realität auf SM Portale. Ich schäme mich als Mann und nicht als Dom über die Geschehnisse!

Ich bin ohne Internet aufgewachsen, angebaggert wurde klassisch an der Bar, in der Disko oder ganz einfach unterwegs und ich hab überlegt wie es damals gelaufen ist.
Es steckte definitiv mehr Mühe, eine gehörige Portion Taktgefühl, Kreativität und Selbstbewusstsein. Selbstverständlich habe ich eine Menge Körbe bekommen, natürlich wurde ich auch ignoriert und es lief nicht alles wie ich es mir vorgestellt hatte. Meine mittelmässige Leistungen von damals waren aber Oscar-Verdächtigt in vergleich zu was ich in diesen zwei Tage erlebt habe! Ich denke nicht das die gleiche Herren solche Sprüche an einer Bar benützen würden…
Das Internet verblödet, sagt man schon lange, nicht aber weil anstatt zu denken gegoogelt wird sondern weil jeglichen Hemmschwellen verschwinden und das Gehirn bis auf die lebensnotwendige Funktionen abgeschaltet wird.

Als Frau sich auf ein Portal zu melden erfordert nicht nur Mut sondern vielmehr Geduld und starke Nerven…
Kleinkinder-Erzieherin sind sicher in Vorteil im Umgang mit trotzige und nörgelnde.

Liebe Frauen, ihr habt all mein Mitleid und ich kann euch nur ein Rat geben:

Lauf Rehlein, lauf um dein Leben!

 

(*) Ich habe die Herren am ende der Chat aufgeklärt das ich ein Mann bin und das dies ein Experiment war. Die Gentlemans hatten voll Verständnis dafür.

dna

DNA

Mein befreundete Dom Andy organisiert ab und zu Bondage-Workshops und hat mich gefragt ob ich Samstag als „Assistent“ kommen könnte. Klar doch.
22 Teilnehmer kamen, genauer gesagt 10 Paare und 2 einzelne Männer. Eine echt bunte Mischung, altermässig wie auch von der Einstellung, die gierig darauf warteten eine Bondage Einführung zu bekommen.
Nach eine kurze Vorstellungsrunde und eine Sicherheitsanweisung ging es an die Seile.
Zuerst wurde immer Ingrid (Andys Frau und Sub) als Modell gefesselt und danach konnten die Teilnehmer nachmachen, abwechslungsweise.
Dabei achteten wir auf das Handwerk und korrigierten eventuelle Fehler die Druckstellen erzeugen oder das Blutfluss stören könnten. Natürlich habe wir auch Tipps abgegeben.
Es war für mich sehr interessant weil es nicht um Sex ging: nur Bondage und Machtspiele.
Ich beobachte gerne wie sich Leute verhalten und nach eine halbe Stunde war mir schon klar wer dominant und wer unterwürfig war. Spannend wurde es wenn meine Einschätzung nicht entsprach was bei der Vorstellungsrunde angegeben wurde… Das habe ich natürlich ausgenutzt. So wurden Plätze ausgetauscht, unter den Vorwand „das müsst ihr Dom auch mal erlebt haben“ und ein Paar angeblich dominante wurden so enttarnt. Also nicht öffentlich, mir ist egal was für Spielchen die treiben wollen, es war aber offensichtlich das die es genossen haben gefesselt zu sein. Mein Freund hat beobachtet wie ich die Rollen tauschen lassen habe und hat dabei nur gegrinst. Der kennt mich schon lange… Kurz darauf kam er auf mich zu: „was treibst du da?“ Ich habe ihn mein „Experiment“ erklärt und daraus ist eine Wette entstanden.
„Ich wette du kriegst die nicht dazu sich unterwürfig zu verhalten, nicht vor den jeweiligen Partner.“ Ich schlagte ein: „Ich lege noch eine drauf: die unterwerfen sich nicht mir sondern zwei aus der Gruppe.“ Er lachte: „Niemals.“

Ich hab ein Mann und eine Frau ausgesucht für mein Vorhaben und bei eine Pause habe ich die angesprochen. Ich erklärte das ich ein kleine Experiment vor hatte und ich bräuchte ihre Hilfe.
Die waren natürlich neugierig und ich hab ihr erklärt was ich vor hatte. Die waren beide einverstanden. Nach der Pause und bevor es wieder losging habe ich der Gruppe erklärt das wir zwei „Assistenten“ benötigen und ich habe die zwei von vorhin auserkoren 🙂
Die habe ich vor allen gelobt „sie haben es sehr gut im Griff und sie werden euch korrigieren bei der nächsten Übungen.“ Was nicht alle wussten: ich hab die zwei angewiesen bei drei andere Teilnehmer besonders streng zu sein. Nicht nur Fehler korrigieren sondern gleich „nicht so! Mach es nochmal.“ Ich hab „zufälligerweise“ noch Kommentare abgegeben wie „wenn du nicht verstanden hast wie das geht, frag doch mal…“ oder meine Verbündete dazu aufgefordert: „zeig ihn/ihr mal wie man es richtig macht.“ Es war sehr interessant zu beobachten wie die angeblichen Dom nebenbei standen und zugucken mussten „wie man es richtig macht“ 🙂

Am ende der Workshop war ein Apero geplant und Ingrid hatte schon Snacks und Getränke vorbereitet. Andy bedankte sich bei alle Teilnehmer allen machten sich an die Snacks.
Das war die Stunde der Wahrheit…
Ich hab die drei freundlich gefragt ob sie mithelfen würden die Seile und Gerätschaften aufzuräumen. Meine zwei Verbündete haben sich diskret von der Gruppe getrennt und haben angefangen die drei herum zu kommandieren: „Die Seilen müssen nach länge sortiert sein“, „bevor es nicht richtig zusammengerollt ist gibt es kein Getränk“, „nicht nach länge, nach Farbe müssen die sortiert werden!“
Es war köstlich zu sehen wie die drei kuschten und noch so blödsinnige und verwirrende befehle folgten. Andy kam zu mir mit ein Lächeln: „Ok, du hast gewonnen… Das die drei nicht richtig dominant sind habe auch bemerkt, kann auch sein das die Switcher sind. Wie hast du aber die andere zwei ausgesucht?“
Ich hab auf seine Schulter geklopft: „DNA mein freund: Dominant Natural Attitude.“