Duende

Duende

Was wir kenner des BDSM praktizieren ist nicht zu vergleichen mit Sex oder Liebe, nicht so wie es im allgemein definiert wird.
Diese erste Satz gefällt mir aber ich merke gerade in was für ein schwieriges Terrain ich mich jetzt hinein manövriert habe… Und wie komme ich jetzt raus? Ich probiere es…

Jeder von euch kennt der Unterschied zwischen Sex haben und liebe machen.
Sex kann sehr geil und intensiv sein, die Gefühle und Empfindungen die dabei entstehen sind aber nur ein schwaches Trost wenn die Liebe nicht involviert ist. Mit Liebe ist es ein Quantensprung, eine andere Qualität, eine höhere Sphäre.
Bei BDSM verhält sich ähnlich, es ist viel nackter, authentisch und unverfälscht als alles andere.
Man redet viel mehr aber mit Blicke, mit der Haut und mit der eigene Präsenz.
Die Seele ist tastbar, direkt unter der Haut und man spürt förmlich wie sie reagiert.
Was macht dieses Unterschied? Es ist schwierig das alles in ein Wort zu fassen.
Es gibt ein unübersetzbare spanisches Wort der das am ehestens fassen kann: Duende.
Duende beschreibt ein erweiterte emotionale Stand, frei von Vorurteile. Eine unbezwungene Authentizität. Es ist nicht Rational, Duende lässt dich lachen, weinen, schreien und ekstatisch kommen ohne aber ein erklärbare Grund.
Federico Garcia Lorca hat es mehrfach erwähnt und behauptet das Duende immer ein Schatten wirft, das es eine untrennbare dunkle Seite hat. Nur wenn man diese dunkle Seite akzeptiert und über den Schatten springt kommt man im Genuss diese erhöhten Zustand.
Das machen wir doch, wir springen über diesen Schatten vor jeder Spiel und lassen unsere Seelen tanzen.

PS: wichtig ist aber auch was BDSM NICHT ist –> ¿Por qué duende?

ursprünglich

Ursprünglich

„Die Tanzenden wurden für verrückt gehalten von denjenigen,
die die Musik nicht hören konnten.“

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Wir SM tanzende werden wirklich oft missverstanden aus dem einfache Grund das die meisten nicht nachvollziehen können was daran so interessant sein kann.
Wir sind aber zum Teil auch selber schuld an dieser Unwissenheit, wir kapseln uns ab von den „Vanillas“ und behaupten oft und gerne „die können es eh nicht verstehen.
Louis Armstrong antwortete mal auf die Frage einen Journalist
„Mann, wenn du fragen musst, was Jazz ist, dann wirst du es nie verstehen“, das wäre mir aber eine wirklich zu pauschale Antwort.
Zugegeben, es ist nicht einfach ein Aussenstehende zu aufklären was wir machen und vor allem WARUM wir es überhaupt machen.
Ich probiere es trotzdem.

Bei BDSM geht es um ursprüngliche Gefühle und Empfindungen, solche die wir alle im laufe der Zeit vergessen haben. Nicht willentlich und eher schleichend haben wir den Bezug zu echte Gefühle und Empfindungen abgelegt. Wir vermeiden Körperkontakt, wir wissen nicht mehr was eine anstrengende körperliche Tätigkeit bewirken kann, wir freuen uns bedeckt und leiden still.
Das hat sich durch Erziehung und Gesellschaft in uns eingeprägt, wir merken es nicht mal mehr.
Wir empfinden „light“, wie in Watte eingehüllt.

Doch es gibt auch Momente wo „echte“ Gefühle und Empfindungen uns überfluten.
Das passiert wenn wir es nicht planen, wenn es unerwartet kommt:
– knapp ein Autounfall entkommen, die Adrenalin fliesst durch die Venen: das ist Angst.
– ein geliebter Mensch nach langer Zeit wieder getroffen und die Tränen fliessen: das ist Freude.
– ein Schraubenzieher der sich in die Handfläche bohrt beim Basteln: das ist Schmerz.
Das sind einige nur Beispiele von Gefühle die uns in diesen Moment übermannen, wir verlieren kurz die Fassung, die Kontrolle und lassen es geschehen.

BDSM spielt gerade mit solche ursprüngliche Gefühle, appelliert ans „lass es geschehen“ Teil von unser Verstand. BDSM entfernt die Watte um uns herum damit wir wieder das fühlen können wofür unser Verstand, Unterbewusstsein und Körper ursprünglich gemacht wurde.
Wir sehnen uns nach Gefühle und Empfindungen die in unsere Gesellschaft verpönt sind.
Also seid intensiv, seid empfindsam und tanzt mit mir.