punk?

Punk?

„Wir sind eben Punk!“ sagte neulich ein Freund in Bezug auf SM.
Sind wir das?

Zugegeben, wir sind was das Beziehungsmodell angeht, ziemlich antikonformistisch.
Wir scheren uns nicht um Moralwerte und manche von uns provozieren auch gerne.
Ist aber unsere Einstellung ein Kampf gegen das Establishment?
Ich denke nicht. SM ist doch keine Protestbewegung.
Wer denkt SMler sind Punk hat meine Meinung nach eine verzerrte Sicht der Dinge.
Wir wollen doch keine Revolution anzetteln oder das Land anarchisch unterwandern…
Das ausleben der Neigungen ist kein Protest sondern eine persönliche Freiheit die wir beanspruchen und ausleben.

Punk und BDSM haben aber auch Berührungspunkte.
Vor allem am Anfang bediente sich die Punk-Szene aus verschiedene SM-Shops.
Umgekehrt sind bei Fetisch-Parties Steampunk Outfits sehr beliebt.
Ich denke aber nicht das diese Austausche der eigentliche Sache dienlich sind, schlussendlich geht es nur um Provokation, um sich absondere und eine Linie zu zeichnen zwischen „wir“ und „die andere“.

Aber wozu provozieren?
Punk mag die Musik und die Mode beeinflusst zu haben, das Establishment ist aber noch da. Lediglich die Macht hat sich verschoben von der Regierung zu weltumspannende Konzerne die unser Alltag gleichzeitig versüssen und verbittern. Es ist nicht mehr so einfach auf der Schuldige mit dem Finger zu zeigen…
Und SM? Ist auch nicht Mainstream geworden. Es wird langsam akzeptiert aber seien wir ehrlich, was die Masse zu akzeptieren glaubt ist ein Märchen-SM produziert in Hollywood, der aber weit entfernt von der Realität ist.
Ich bin überzeugt die meisten würden und können nicht verstehen was wir treiben, geschweige denn warum.

Wenn wir Punk sind, haben wir verloren.
Wenn wir selber eine Trennlinie zeichnen wie wollen wir jemand überzeugen diese Linie zu überschreiten? Wenn wir Leute mit Auftritte erschrecken, wie wollen wir ein Dialog anfangen?

Wir sind nicht anders!

Wir sind nicht anders!

Als ich meine Neigung befreit habe war es toll. Es war ein so befreiendes Gefühl.
Dann merkte ich das ich damit anders war. Ich gehörte plötzlich eine Minderheit an die Gesellschaftlich am Pranger steht. Klar, nicht alle denken das wir kranken Gestalten sind aber im allgemein wir werden nicht als nette Gesellen beschrieben. Warum eigentlich?
Einerseits weil niemand richtig weiss was wir eigentlich tun. Verständlicherweise ist es auch schwierig für jemand der nicht über die entsprechende Neigung verfügt, nach zu vollziehen warum wir auf so etwas stehen. Hinzu kommen die Medien, die uns oft und gerne im gleichen Pot stecken mit Massenmörder und Vergewaltiger. Wir sind eine Minderheit und wir treffen uns mit gleichgesinnte an Playparties, wo „wer weiss was alles da passiert“.
So betrachtet sind wir ähnlich wie die Freie Maurer: keiner weiss genau was die tun und daher werden Räubergeschichten darüber gedichtet…
Es liegt in der menschlicher Natur unterschiede zu erkennen, in positiver wie auch in negativer Sinn und wir fallen definitiv auf. Wir müssen mit Vorurteile und Klischees umgehen die stark in unsere kulturelle und soziale Umgebung eingebettet sind. Was antworten Leute wenn man fragt was sie mit BDSM assoziieren? Peitschen, Schmerzen, Kerker, Ketten, … Kein wunder das wir so negativ behaftet sind, wenn keine auf die Idee kommt Zuneigung, Empfindungen, Erotik, Gefühle und nicht zuletzt Liebe damit zu kombinieren. Verständlich auch das die meisten von uns sich lieber in der Anonymität bewegen.
Doch, wie bei andere Minderheiten auch, gibt es auch bei uns die militante Fraktion, der kämpferische Flügel. Unter der Flagge „Wir sind anders, akzeptiert es!“ ziehen sie in Paraden und verpassen keine Gelegenheit zu zeigen das sie anders sind. Ich gehöre nicht dazu.
Wir sind doch nicht anders, besser oder über die andere. Unsere Beziehungen sind anders aber das ist etwas privates, intim. Wieso soll ich etwas so intim wie eine D/S Beziehung publik machen? Vanillas posaunen auch nicht herum „letzte Nacht hatte ich Analsex“ wenn sie morgens ins Büro kommen. Ich habe schon etliche Diskussionen gehabt und regelmässig bekomme ich zu hören „Die Homosexueller haben es auch geschafft!“. Was haben die geschafft? Das die heiraten dürfen? Das ist mehr eine politische als eine gesellschaftliche Errungenschaft… Werden Homosexueller weniger diskriminiert? Ich mag das zu bezweifeln… Sie werden eher toleriert als akzeptiert.
Will ich misstrauisch und mit vorbehalte toleriert werden? Definitiv nein!
Mein Argument gegen solche Aktivismus ist einfach: was ich bei mir zuhause mache geht niemand an. Ich sehe definitiv kein Grund warum ich mein Sexualleben offen legen soll.
Wenn wir das machen, dann sind wir wirklich anders.
Die Militanten kontern sofort mit „weil wir das 24 x 7 ausleben wollen“.
24 x 7 ? Wer kann das schon? Ich kenne Leute die in eine konstante D/S Beziehung leben, das ist aber immer noch weit entfernt von 24 x 7. Früher oder später gehen die auch einkaufen, arbeiten, verwandte besuchen und da hört D/S auf. Es ist illusorisch zu denken, in unsere aktueller Gesellschaft, 24 x 7 sei durchführbar. Wir werden immer mit Andersdenkende zu tun haben und Akzeptanz hin oder her, wir werden auch sicher Leute treffen die mit dem Finger auf uns zeigen werden, misstrauisch. Alles hat sein Preis.
Durch Aufklärung können wir sicher einige dazu bewegen ihre Meinung zu revidieren, das finde ich wichtig. Wir werden aber nicht alle überzeugen können.
Ich werde daher weiterhin durch die Gesellschaft laufen als der Nachbar, Bruder, Arbeitskollege, Ehemann, denn ich bin nicht anders. Ich habe andere Vorlieben, die gehen aber niemanden an.