Ich sehe was du nicht siehst...

Ich sehe was du nicht siehst und das ist gut so.

Ich sehe was du nicht siehst weil ich eine andere Perspektive habe.
Die Frau von nebenan sieht eine Rose und denkt „Oh ist die schön“, der Botaniker betrachtet sie und weiss in welche Familie sie angegliedert ist, die Floristin malt sich ein Strauss vor Augen und der Hund der vorbei spaziert interessiert sich keineswegs dafür und markiert darauf sein Revier.
Die Perspektive lässt Dinge anders erscheinen und gibt uns ein Kontext wo wir das gesehen hinstellen.

Ich sehe Details.

Vor einige Jahre, bei einer Club Party gab es als Überraschung eine SM-Show.
Ein Pärchen in schwarze Lederbekleidung stand auf der Bühne. Unter dröhnende düstere Musik bearbeitete er seine Partnerin mit Seile und Peitsche. Ich weiss noch wie ein Freund voll begeistert mir mit dem Ellbogen stupste: „Geil, was?“ Ich weiss auch wie ich, gar nicht begeistert antwortete: „Die ist mir zu dünn.“  Keine der Anwesende wusste das ich ein fleissige SM Anhänger bin und ich wollte mich auch nicht outen.
Damals fand ich es spannend die Reaktionen zu betrachten, zu sehen wie die verschiedene Personen die Show urteilten und für sich bewerteten. Ich sehe heute noch die bunte Mischung aus Begeisterung, Verwunderung, Angst, Abneigung und Verachtung in die Gesichter der Zuschauer. Es war für mich interessant da ich die meisten Anwesende mehr oder weniger kannte. Mein Gehirn kombinierte unbewusst die Persönlichkeiten mit den Gesichtsausdrücke und stellte unsichtbare Schilder über den Köpfen. Erika zuckte bei jeder Peitschenknall aber grinste unbewusst. Peter sah aus als wollte er gerade auf der Bühne springen und der Typ eine knallen. Jürgen hat sich mittendrin ein Bier geholt und Bea konnte nicht die Augen davon lassen. Eine Show für die meisten, ein Naturexperiment für mich. Erst im Nachhinein habe ich die ganze Situation auch selbstkritisch betrachtet.

Was hat es in mir ausgelöst?

Natürlich hatte das eine Auswirkung auf meine Freundschaften: plötzlich wusste ich zu ordnen wer dominant und wer unterwürfig war.
Ich sehe heute noch wie nach eine manipulative Bemerkung („Wenn du das nochmal machst, ich nehme dich über meine Knie und versohle dir den Arsch“), Erika’s Augen glänzten und sie Verlegen davon ging.
Was habe ich aber damals in der Show gesehen? Was habe ich dabei gefühlt?
Es war flach, nicht inszeniert aber geschwächt. Ich glaube schon das sich das Paar gut verstanden hat und ich glaube auch das sie SM im privat auch geniessen. Auf der Bühne war aber nur eine sehr verdünnte und verwässerte Version zu sehen. Es fehlte die Leidenschaft die sonst in ein SM Spiel nur so sprüht. Ich sehe eine dünne Frau die sich Anweisungen beugt aber nicht eine Frau die sich danach sehnt an ihren Platz gewiesen zu werden. Es war für mich wie lauwarmes Bier: ich weiss wie es schmecken soll und ist schade das es nicht so ist.

Während die Anwesende nur die sichtbare Oberfläche wahrgenommen haben, habe ich die schale Untiefe geschmeckt.

Vertrauen

Vertrauen ist gut, sich hingeben ist besser…

BDSM basiert auf Vertrauen, das ist nicht schwierig zu verstehen. Es ist aber kein gewöhnlicher Vertrauen, es ist etwas tiefer als das was man sonst kennt. Es ist kein „ich vertraue dich“ sondern ein „ich vertraue dich vollkommen“. Das macht ein ziemlich grosses Unterschied. Es ist nicht dasselbe wenn die Sub einfach darauf vertraut das es alles ok ist,  gefesselt wird und sich fragt „was wird wohl kommen?“ oder wenn sie tief entspannt, voll darauf vertrauen kann, das egal was passiert, ihr Dom Sorge tragen wird.

Ich habe es bereits im „Nackt“ beschrieben: es ist so eine Vertrauensbeziehung wo man keine Geheimnisse mehr hat, die Seele nach aussen trägt und alles von sich preisgibt. Das ist die Voraussetzung für eine Sub damit sie sich „fallen lassen“ kann, jegliche Bedenken und Gedanken loslassen.
Ohne daran denken zu müssen, weisst sie das, instinktiv und das ist ein qualitativer Quantensprung. Befreit von alle störende und blockierende Gedanken kann sie sich endlich auf das Wesentlicher konzentrieren: das hier und jetzt.

Als Dom merkt man wenn bei der Sub soweit ist. Es sind kleine Details die es verraten: sie guckt nicht mehr nach was kommt, sie wartet ruhig danach. Sie denkt nicht mehr daran was wohl kommen wird, sie grinst und lässt es geschehen. Die Neugierde wird durch Vorfreude ersetzt.
Es ist plötzlich ein andere art zu Spielen, viel entspannter und natürlich.

Es ist aber nicht etwas der erzwungen werden kann, es ist etwas das beide aufbauen und gemeinsam wachsen lassen müssen. Die Investition lohnt sich aber auf jeden fall und jeder das solch ein tiefes Vertrauen erlebt kann mir sicher nur zustimmen.

Bertolt Brecht sagte mal: „Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird.“
Gibt eine schönere Art Vertrauen zu geben und in Anspruch zu nehmen als während ein sinnlich und versaute Spiel?

 

Nicht vergessen!

Nicht vergessen!

Subs fragen sich oft „was kann ich tun um meinen Dom meine Devotion zu zeigen?“
Sie wollen ja gefallen und das schätzen wir Doms auch ungemein.
Es muss nicht immer etwas kompliziert und aufwendig sein, auch ein „Sir, vergessen sie nicht Schirm und Schlüsselbund“ kann sehr erfrischend sein.
Und wenn es dabei nicht gesprochen wird, wird es umso spannender…

Die Stille

Die Stille

Es ist still…
Einzig ihr Zittern lässt die Ketten an dem sie fixiert ist leicht rasseln.
Ich streife ihre Haut und zum Rasseln kommt ihr Atem hinzu.
Ihr Körper spannt sich unter meine Berührung.
Sie weiss was kommt und doch weiss sie es nicht.

Es ist still…
Bis ein Klatschen im Raum hallt.
Sie grinst und mein Handabdruck zeichnet sich auf ihre Arschbacke.
Was folgt bricht die Stille.
Und sie bricht sie auch…

Es ist still…
Mit ein knallrote Hintern und glühende Brüste hängt sie von der Ketten.
Sie schaut mich an, wissend das ich sie auffangen werde.
Ich frage sie ob noch mehr geht und die Antwort ist keine Überraschung.
Sie beisst sich die Lippen als die letzte Schläge sie treffen.

Es ist still…
Ich befreie sie von der Ketten und halte sie fest.
Ihr Atem beruhigt sich und die Spannung ist vorüber.
Die Zeichen meine Zuneigung werden lange anhalten.
Darauf ist sie stolz.

Es ist still…
Weil kein Wort nötig ist.

Der Frühling ist da!

Der Frühling ist da!

Der Frühling hat sich eingestellt,
wohlan, wer will ihn sehen?
Der muss mit mir ins freie Feld,
ins grüne Feld nun gehn.

Er hielt im Walde sich versteckt,
dass niemand ihn mehr sah;
ein Vöglein hat ihn aufgeweckt,
jetzt ist er wieder da.

Jetzt ist der Frühling wieder da.
Ihm folgt, wohin er zieht,
nur lauter Freude fern und nah
und lauter Spiel und Lied.

Und allen hat er, groß und klein,
was Schönes mitgebracht,
und sollt’s auch nur ein Sträußchen sein,
er hat an uns gedacht.

Drum frisch hinaus ins freie Feld,
ins grüne Feld hinaus!
Der Frühling hat sich eingestellt,
wer bliebe da zu Haus?

 

(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798 – 1874)

Götter der Geilheit

Götter der Geilheit

Der Satz „Mach es dir bequem“ kennen wir alle. Unser Partner sollte sich schliesslich wohl fühlen, relaxen, die Aufmerksamkeit auf uns richten und von Geilheit triefen.
Das sind gute Manieren, das haben wir so gelernt. Das gilt allerdings nicht immer bei uns SMler…

Wir fesseln unser Partner in die unmöglichste Positionen, Klemmen beissen sich in die Haut und Schläge richten die Aufmerksamkeit auf das brennende Schmerz.
Unsere Partner werden überflutet von Empfindungen, wir tun alles damit sie vergessen die Welt die da draussen ist, mit ihre Regeln und Rituale.
Wir wollen das sie in sich hinein tauchen und frei fühlen und empfinden was sonst immer so kontrolliert ist.
Es hat etwas von Magie oder Hypnose, wir versetzen sie in eine andere Dimension, mit andere Regeln und andere Sitten.
Wie Schamane tanzen wir um unsere Subs und beschwören durch unsere Handlungen die Götter der Geilheit.
Und erst wenn wir ein zufriedene Grinsen auf ihre Lippen sehen, wissen wir das die Magie gewirkt hat.

Haben wir der Knigge verkehrt gelesen? Natürlich nicht, das sind unsere gute Manieren.
Wir wollen schliesslich das unser Partner sich wohl fühlt…

Sonne, Mond und Sterne

Sonne Mond und Sterne

Macht zu haben, über jemand verfügen, bedingungslose Unterwerfung erleben.
Gott sein für seine Sub, alles dreht sich um die eine Stelle: der Dom.
Manche reiben sich bereits die Hände und ein Sabbertropfen hat sich auch schon im Mundwinkel gebildet…
Diese Ansicht könnte von Claudius Ptolemäus stammen, er war überzeugt die Erde sei das Mittelpunkt des Universums.
Zur damalige Zeit auch verständlich: aus der Erde betrachtet, drehen sich scheinbar alle Himmelskörper um unser blaue Planet.

Das ist ganz sicher nicht das erste mal das ich diese Thema aufgreife und ich befürchte es wird auch nicht das letzte mal sein.
Es geht wie immer um die philosophische Frage „Was bin ich und was mache ich hier?“, um Ego, um Weltansichten und um Perspektiven.

Nichts ist so wie es scheint.
Auch wenn manche das Gefühl haben ein Dom hat die absolute Macht über seine Sub, dem ist nicht so. Für Aussenstehende ist das Machtverhältnis ganz klar: Er befiehlt und sie gehorcht. Er ist ein tolle Hecht der alles im Griff hat. Er hat die Macht.
Die Frage ist nur: was macht ein Dom so mächtig? Sein Charisma? Sein Können? Oder seine Persönlichkeit? Weit daneben…
Es ist nicht eine Macht der er hat, es ist eine Macht die er bekommt.
Kultur, Sprache und Moral bieten wenige Möglichkeiten so ein Verhältnis eindeutig zu definieren. Wir selber verfallen in vorgefertigte Muster um sowas zu beschreiben. Wenn eine Sub sagt „Mach mit mir was du willst“ meint sie „Ich lasse dir mit mir machen was du willst und ich auch möchte“.
Bei D/S wird oft von Machtgefälle gesprochen, was an sich auch richtig ist. Wichtig ist aber zu verstehen das diese Gefälle erste durch eine Machtverschiebung entsteht, es ist eine Übergabe. Was Dom machen darf ist was Sub ihm erlaubt zu machen.
Natürlich ist es keine klassische Übergabe, die Sub wird nicht explizit bei Spiel beginn sagen „So, jetzt darfst du“ oder „Jetzt kannst du übernehmen“.
Es passiert mehr oder wenig stillschweigend, was aber nicht bedeutet das keine Kommunikation stattfindet.

Nichts ist selbstverständlich.
Diese Machtverschiebung will gepflegt werden, es ist kein Selbstläufer der einmal in Bewegung gesetzt, einfach so weiter funktioniert.
Es ist ein Spannung die nur zurecht herhaltet wird durch eine Bindung zwischen Dom und Sub. Erst durch diese Interaktion kann sich ein Machtverhältnis einstellen. „Was will ich?“ ist sicher die erste Frage die ein Dom sich stellen muss, die sollte aber unmittelbar von „Was will sie?“ gefolgt sein.
Auch eine Sub hat Wünsche und sie wird der eigene Dom umso mehr angetan sein wenn er diese erfüllen kann. Die Macht die euch Dom angeboten wird, will verdient werden. Kommunikation ist das wichtigste instrument zwischen Dom und Sub. Zu wissen wie der Gegenüber tickt, was er fühlt, denkt und sich wünscht ist unabdingbar.

Es hat 1400 Jahre gedauert bis Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Galileo Galilei die Sonne in Mittelpunkt unsere Planetensystem setzten.
Ich hoffe es wird nicht so lange dauern bis die egozentrische Dom Ansichten der Vergangenheit gehören werden…

Dom und Sub sind wie Erde und Mond, in ein kreisende Tanz verbunden um die SM-Sonne herum, vor eine Kulisse von funkelnde Sternen.

Das Parfum

Das Parfum

Irgendwann hat es in dir „Klick“ gemacht, du weisst jetzt das dominant sein dein Ding ist, es macht dich an.
Und jetzt? Wie weiter?
Du saugst das Internet leer und ziehst dich rein alles was auch nur im entfernteste mit BDSM zu tun hat, von Pornos zu Ratgeber.
In der Zwischenzeit machst du verschiedene Phasen durch. Angefangen von „Es kann nicht sein“, durch „Ich bin nicht normal“ und „das kannst du nicht bringen“ bis „Ich bin so“.
Fein, du hast es akzeptiert und du bist jetzt bereit in die grosse weite Welt der BDSM einzutreten. Es fehlt lediglich ein Gegenstück.

Mittlerweile hast du schon zwei Freundinnen verloren weil die andere Ansichten haben…
Es ist frustrierend, du willst es aus erster Hand erleben und du findest niemand der mitmacht.
Fur ein kurzer Moment willst du das ganze vergessen aber das dauert nicht lange bis das Verlangen wieder hochsteigt.
Du hast sie gefunden! In ein SM-Forum hat sie geantwortet, ihr habt lange diskutiert und nach eine Weile ihr trefft euch.
Sie ist dir sympathisch und sie findet dich auch ganz ok, ihr beschliesst der Sprung ins kalte Wasser zu wagen.
Du versetzt Bergen um irgend ein ruhigen Ort zu finden und dann ist es soweit.
Sie ist vor dir und sie ist auch genau so erregt und nervös wie du es gerade bist…
Dein erste Befehl ist leise und zitterig und sie zögert den auszuführen. Oh mein Gott, sie macht es aber!
Das Spiel ist vorbei und ihr habt beide ein schale Geschmack davon. Es war… Es war ok.
Du lässt alles in dein Kopf wieder Revue passieren und du könntest dich selber Ohrfeigen, „Mann war ich ein Trottel!“
Es ist für dich schwierig zu sagen was alles falsch gelaufen ist, du weisst ja nicht was richtig wäre…

Ja mein lieber Dom-Neuling, niemand hat je behauptet das BDSM einfach sei. Es ist so viel mehr dabei als nur Sex…
Sei nicht entmutigt, kein Master ist je vom Himmel gefallen und um weiter mit Floskel zu machen, gut Ding braucht Weile.
Lerne sie kennen, lerne dich kennen: was treibt euch an, was ist geil, was nicht, …
Probiert es aus, experimentiert und dabei seid ehrlich zu einander und vor allem zu euch selber. Es ist keine Schande sich einzugestehen „Das geht so nicht“.
Jetzt wisst ihr was euch passt, jetzt weisst du was du willst. Es ist nun an der Zeit das gelernte in ein Spiel einzubringen.

Ein Spiel ist wie ein Parfum.
Wenn du es aufträgst duftet es erregend frisch, das ist die flüchtige Kopfnote die euch erfüllt mit Vorfreude und zueinander bringt.
Koste das moment wenn sie noch nicht weiss was mit ihr geschehen wird.
Dann kommt die Herznote zum Vorschein, betörend süss und wird euch von Ekstase zu Ekstase bringen.
Geniesse wie sie unter deine Führung windet, wimmelt und bettelt.
Am Schluss ist die Basisnote, angenehm und warm. Das ist was euch zusammenhält.

Du wirst sagen das du keine Ahnung hast wie man ein Parfum zusammenstellt. Das mag sein, weil du noch nie das gemacht hast.
Schliesse deine Augen und denke an das Erlebte und all die Fantasien die du noch erleben möchtest. Rieche daran, welche passt zusammen?
Ich sehe es an dein Grinsen, willkommen in einer Welt voller Dufte und Freude 😉

die mitdenkende sub 3

Die mitdenkende Sub 3

Was? Schon wieder „die mitdenkende Sub“?
Ja, wenn etwas noch nicht perfekt sitzt habe ich keine Ruhe also feile ich noch herum.

Es erstaunt mich immer wieder das etwas was ich ziemlich banal finde so ein Echo hat.
Ich danke euch dafür, jegliche Feedback ist willkommen.
Die zwei „Mitdenkende Sub“ Beiträge haben es definitiv in sich und das freut mich, ich habe offenbar ein Nerv getroffen.

Die SM-Welt wird wohl immer in zwei getrennte Lager sein: die „ich befehle, du führst aus“ und die „Oh schön, du wartest und bietest mir die Gerte an“.
Ich habe es aber immer aus der Dom Perspektive betrachtet und wie ihr bereit wisst, ich mag es wenn eine Sub mitdenkt.
Wie denkt aber eine Sub?
Gut, einerseits eine Sub wird sich, bewusst oder nicht, der Wünsche ihren Dom anpassen. Sie lernt wie er tickt und was er erwartet und setzt es dem entsprechend um.
Anderseits kann eine Sub auch von sich aus, und ohne explizite Dom-Wünsche, die Initiative ergreifen.
Und was ist der Unterschied? Was macht aus eine passive Sub eine die mitdenkt?
Die magische Zutat ist Devotion.
Eine devote Sub will gefallen, will ihren Dom aktiv Freude bereiten. Sie wird sich entsinnen um herauszufinden wie sie besser werden kann und die Belohnung ist ein zufriedene Dom. Darum wird sie mitdenken, vorgreifen und bereit sein, bevor ihr Dom etwas sagt oder andeutet.

Also die mitdenkende Sub ist eine devote Sub.

1. Advent

1. Advent

Es ist wieder so weit, an jeder Ecke winkt eine kitschige Dekoration, das Duft von Glühwein weht durch die Gassen, Balkone sehen aus wie Landebahnen und Weihnachtslieder verfolgen kaufwütige Passanten. Es ist die Zeit wo Besinnlichkeit wie Propaganda auf ein prasselt und Güte scheinbar auf Bäume wächst.

Es ist wieder so weit, die grösste Show des Jahres hat angefangen.

Lasst euch nicht durch irgendwelche daher zitierte Sprüche hypnotisieren.
Versucht erst nicht bei diese Weihnachtsmaskerade mitzumachen.
Seid euch getreu, seid gütig bei dem der es verdient, seid grosszügig bei jene die nichts haben.
Aber bitte nicht nur in Dezember.

Lassen wir mal für ein moment die Scheinheiligkeit bei Seite und bedanken uns auf ehrliche weise bei denen die zu uns stehen.

Ich wünsche euch alle eine ruhige und gelassene Zeit.

Ich bin nicht Christian Grey!

Ich bin nicht Christian Grey!

Ich hab kein Hubschrauber, ich bin kein Audi Fan und ich dirigiere kein Konzern.
Das wären schon drei Gründe mich von Mr. Grey zu unterscheiden, es wäre aber ziemlich oberflächlich.
Ein paar von euch werden schon denken „Ach, schon wieder eine Abhandlung über Grey?“
Schon 2015 hatte ich in mein Beitrag Fifty Shades of Dan meine erste Kritik geäussert. Nun sind schon zwei der drei Bücher verfilmt worden und sehe mich in der Pflicht, stellvertretend für alle seriöse Doms, eine Warnung auszusprechen.

Auf der gesamte Welt hat Fifty Shades of Grey für Diskussionen gesorgt und es ist unumstritten das es in Schriftlicher- und Flimmer-Form ein Millionen Publikum erreicht hat.
Fact ist aber auch das in der SM-Welt dies nicht gerade das Lieblingsbuch / Film geworden ist. Die meiste SMler reagieren ziemlich allergisch wenn man es erwähnt.
Die Kritiken seitens SMler reichen von „absurd“ bis zu „realitätsfremd“. Wir wissen wie es in der Wirklichkeit abgeht, wir sind ja die Fachkräfte.
Was ist aber bei Leser und Kinobesucher hängen geblieben? Das ich es kritisch sehe ist schon klar, was aber soll ein Vanilla Publikum darüber denken?

Gehen wir mal der Geschichte in der Kurzfassung nach.
Ana trifft Christian als 21 Jährige Jungfrau, also absolut unerfahren und ahnungslos und wird ziemlich schnell mit ein Vertrag konfrontiert. Die Beziehung die dabei entsteht wechselt zwischen Romanze und SM und in laufe der Zeit merkt sie wie kontrollsüchtig und manipulativ er ist. Er erklärt ihr das er durch missbrauch zur SM gekommen ist und sie will ihn davon heilen. 

Als aller erste, ich mag zu bezweifeln das eine Ahnungslose in der Lage ist ein SM-Vertrag zu verhandeln.
Das solch ein Vertrag in Wirklichkeit keine rechtliche Bindung nach sich zieht wird natürlich nicht erwähnt.
Was ich aber viel bedenklicher finde ist das die liebe Ana gar nicht in der Lage ist zu verstehen auf was sie sich einlässt. Das entspricht kaum eine „Freiwilligkeit“ wie es SSC (Safe, Sane, Consensual) voraussetzt.
Ein Mr. Grey kann, macht seines Vertrages, mit Ana tun und lassen wie er mag. Das es dabei zum Teil um Missbrauch handelt geht an den Zuschauer vorbei, die interessieren sich mehr für die erotische Szenen.
Im laufe der Beziehung bricht Christian regelmässig ihr entgegengebrachte Vertrauen und respektiert auch nicht Anastasias Grenzen. Ich bezeichne das als bodenlose Frechheit und absolute No-Go, das Vanilla Publikum denkt aber das Mr. Grey damit ein starke Charakter zeigt, das er Selbstbewusst sich nimmt was er will.
Das die Autorin SM als Krankheit darstellt geht übrigens offenbar am Publikum vorbei. Keine der von mir befragte hatte auch nur eine blasse Erinnerung davon.

Bedenklich ist vor allem das die meiste Vanillas denken SM sei und funktioniere exakt so wie im Buch / Film gezeigt wird!
All das was wir SMler schnell als unrealistisch oder absurd enttarnen wird von Vanillas, mangels Erfahrung, als Realität empfunden und akzeptiert.
Ich will gar nicht wissen wieviele pseudo-Doms mit aufkeimende psychopathische Tendenzen, durch Bücher und Film eine Bestätigung für ihr handeln gefunden haben…
Geschweige denn wieviele Frauen die Übeltaten ertragen mussten, ihr Peiniger wie im Roman verzeihen weil „Er liebt mich doch“…
Mein Fazit ist also das falsche Erwartungen, verzerrte Ethik, nicht sichere und vor allem nicht durchdachte Handlungen propagiert werden.
Seid also auf der Hut wenn jemand FSoG erwähnt, das ist keinesfalls eine Referenz!

Ich kann aber mit Stolz sagen: Ich bin nicht Christian Grey!

 

 

Beides

Beides

„Guten Tag, ich hätte gerne ein Eiscreme.“
„Erdbeere oder Schokolade?“
„Beides bitte.“

Uhm, feines Eiscreme aber nach was schmeckt es denn?
Oben nach Erdbeere, unten nach Schokolade aber wenn man häufig mit der Zunge über beide Sorten wechselt, wird es nach eine Weile ein undefinierbare Geschmack sein.
Beide Sorten an sich sind lecker aber wenn man sie vermischt ist es eher verwirrend für unsere Geschmacksknospen.
Dafür gibt es aber eine sehr einfache Lösung, man geniesst die Sorten getrennt, nacheinander.
Plötzlich merkt man das es echte Erdbeeren verarbeitet wurden und das die Schokolade aus feinster Schweizer Fondant hergestellt wurde.
Mit beide Sorten zusammen hätte man sowas nie herausgeschmeckt.

Klingt doch einleuchtend aber was will ich damit sagen, ausser das ich Eiscreme mag?
Manche ahnen es schon und es ist sicher keine Überraschung: BDSM, genauer gesagt das DS in der Mitte.
Es gibt dominante und unterwürfige, das weiss jeder der auch nur aus Interesse in Wikipedia danach gestöbert hat.
Es gibt aber auch Switcher, solche die beide Seiten geniessen. Ein „Switch“ ist übersetzt ein Schalter (für Fachleute: ein Umschalter) und somit können diejenigen die Rolle nach belieben umschalten.
In mein letzte Beitrag habe ich geschrieben das „ich Switcher nicht ein besondere Stellenwert zuteile“ und das hat ein gewisses Echo erzeugt.
Ich möchte das ein bisschen vertiefen weil Switchen ist nicht gleich Switchen.

Es gibt Switcher die ihre Rolle partnerbezogen Wechseln: Mit X ist sie/er dominant, mit Y unterwürfig.
Es gibt aber Switcher die mit der gleiche Partner die Rolle tauschen, manche sogar während ein Spiel.
Ich finde das ist ein fundamentale unterschied der aber generisch unter der Begriff „Switcher“ abgetan wird.
Schade eigentlich, denn diese zwei Sorten Switcher ticken grundverschieden.
Ich nenne sie jetzt Partner-Switcher und Laune-Switcher damit eine klare Trennung möglich ist.

Ich kenne Partner-Switcher aus erster Hand (Wortwörtlich…) denn ich bin mit eine in einer Beziehung.
Die unterwürfige die ich kenne ist aber mit andere eine gnadenlose und genüssliche dominante.
Sie würde aber nie wagen, ich glaube sie denkt nicht mal daran bei mir diese Dominanz auszuleben. Nicht weil ich sie dazu zwingen würde, sondern weil sie das so will.
Diese bewusste Entscheidung und die damit verbundene Trennung macht es möglich das bei ihr das Kopfkino angeht wenn sie nur eine E-Mail von mir bekommt.
Sie kann die zwei Rollen voll geniessen weil sie nicht ständig hin und her umschalten muss.

Was ist aber wenn ein Switcher sich schon den ganzen Tag freut auf ein dominanter Abend, und wenn er nach hause kommt findet seine Partnerin auf ihm wartend und mit der Peitsche in der Hand? Kopf-Koitus-Interuptus?
Natürlich könnte man sich vorher verständigen oder Tage vereinbaren.
Was ist aber wenn mitten im Spiel und kurz bevor der Unterwürfige ins Subspace abdriftet, der Dominante sagt „Jetzt bist du dran!“ Manche Subs sind schon ausgeflippt bei sowas…
Ich hab keine direkte Erfahrung mit Laune-Switcher aber ich stelle mir das kompliziert und irgendwie inkomplett vor.
Dieser ständiger Wechsel zwischen Erdbeere und Schokolade kann doch nur verwirrend sein.

Kalendersprüche

Kalendersprüche

Wer SM noch nie ausprobiert hat, kann SM auch nicht verstehen.
Ein guter Dom muss zuerst die Sub-Seite erleben. Das sind nur einige „SM-Weisheiten“ die ich oft höre (heimlich warte ich auf ein altmodische SM-Kalender mit entsprechende Kalenderprüche…).

Was ist aber dran an solche hartnäckige pauschale Aussagen?
Ich war doch auch mal „Vanilla“ bevor es mit SM los ging. Was habe ich damals über SM gedacht?
Und habe ich meine Dom-Karriere“ ruiniert indem ich mir nie mein Arsch habe versohlen lassen?

SM ist sicher nicht ein beliebte Grillparty Thema, eher wird es wie Homosexualität durch den Kakao gezogen.
„Sonst hole ich mal die Peitsche“ ist eine häufig verwendete Redewendung um Druck auszuüben die aber selten wortwörtlich verstanden wird, und fast immer mit irgend ein Lachen quittiert wird. Nichts desto trotz jeder stellt sich etwas dabei vor. Für die meiste wird es wohl eine karikaturartige Figur die eine Peitsche knallend schwingt.
Für einige andere wird es aber der eigene Kopfkino ankurbeln, obwohl die noch nie ernsthaft ein einzige Gedanken an SM verloren haben.
Die Neigung klopft leise an und wird dabei bestimmen welcher Rolle der- oder diejenige in der Kopfstreifen spielt…
Also in wesentliche ist SM schon zu diesen frühe Zeitpunk klar: es geht um Macht und in welcher Rolle man spielen würde.
Ich denke also, jemand der an der Schwelle zur SM steht hat schon eine ziemlich klare Vorstellung in welcher Richtung seine Gedanken sich bewegen werden.
Für mich ist der Kalenderspruch falsch und sollte eher lauten „wer keine Neigung hat wird es schwer haben SM zu verstehen“.

Und was ist mit den Dom die angeblich als Sub-Azubi die Gesellenprüfung ablegen sollen?
Nun ja, wer mich kennt (oder hier folgt) weiss das ich nie unterwürfig war und auch das ich Switcher nicht ein besondere Stellenwert zuteile.
Nichts gegen das Switchen an sich, wer das mag soll sein Plausch haben. Ich denke aber das durch das Switchen die Feinheiten der Machtgefälle zerstört werden.
Bei klar und beständig definierte Rollen wird das Machtverhältnis kultiviert und gepflegt in eine Art und Weise die sonst nicht möglich wäre.
Ich verstehe aber wenn die Argumentation dahin zielt das man somit die andere Seite verstehen kann. Ich verstehe es, ist aber nicht für jeder der einzige Weg als Dom.
Meine Meinung nach, ein guter Dom ist eine der eine Sub lesen kann, der weiss die Reaktionen richtig zu interpretieren, der genug Empathie hat um zu verstehen was im Kopf und Körper der Sub vorgeht. Im weiteste Sinne ich erlebe die andere Seite bei jeder Begegnung mit eine unterwürfige oder devote, und das ohne die Seite zu wechseln.
Es gibt natürlich aber auch stumpfsinnige Dom Exemplare. Ob aber eine Seitenwechsel der erwünschte Erfolg mit sich bringt, mag ich in solch ein fall zu bezweifeln…

I want you to notice when I'm not around

I want you to notice when I’m not around

Egal wie intensiv eure Begegnungen sind, präsent zu sein und sein Stempel aufzudrücken ist nicht massgebend.
In Erinnerung zu bleiben, in ihren Kopfkino herum zu geistern und Sehnsüchte zu erwecken ist viel wichtiger.

Wie Radiohead in Creep schön besingt: „I want you to notice when I’m not around“

Dusche oder Bad?

Bist du ein Dusch- oder Bademensch?

Ich bin beides, nicht weil ich mich nicht entscheiden kann, sondern weil ich die zwei Vorgänge nicht vergleiche.
Duschen ist für mich der einfachsten Weg den ganzen Körper zu waschen.
Ich hüpfe unter den Wasserstrahl und in kürzeste Zeit bin ich sauber, und weiter geht’s.
Es ist einfach praktisch und schnell.

Ganz anders sieht es aus mit Baden…
Da nehme ich mir Zeit, ich geniesse es und, ich gebe es zu, ich zelebriere es.
Beim Baden geht es mir nicht primär um Sauberkeit sondern vor allem um Entspannung.
Nicht selten lasse ich Musik laufen und hab mein Lieblingsgetränk in Reichweite.
Ich geniesse es, und wer mein Blog verfolgt weiss auch, das es für mich auch eine Quelle der Inspiration ist. Es ist ein Moment der Ruhe, wo sich meine Gedanken frei entfalten können, wo das wackeln einer Kerzenflamme in ein Beitrag enden kann.
Lasst euch also inspirieren, füllt die Wanne, dämmt das Licht, und habt was euch erfreut griffbereit 😉

Extremsport

Extremsport

In ein BDSM-Forum wurde eine These aufgestellt:
„BDSM ist durch Ethik und Moral domestizierte physische und psychische Aggression/Grausamkeit.“

Ich will jetzt nicht eine Abhandlung bespickt von medizinische Begriffe niederschreiben oder eine Dissertation über die menschlicher Psyche tippen, eine Differenzierung ist aber angebracht.

Wenn man BDSM betrachtet gibt es zwei Sichtweise.
Aussenstehende nehmen das Sichtbare wahr und das ist nunmal bei BDSM leicht als aggressiv, brutal und grausam zu erkennen. Die Eingeweihte wissen aber das dies alles nur Mittel zum Zweck ist. Es geht nur darum Freude zu haben, im sinne von Freude geben und nehmen.

Ok, soweit so gut, das beantwortet aber nicht die Frage: ist es Aggression und Grausamkeit eingeschränkt durch eine Hülle von Ethik und Moral?
Wenn Domestizierung heisst sich gewisse Regeln und Grenzen unterzuordnen dann sind wir alle irgendwie Opfer der allgemeine Domestizierung. Schliesslich haben wir alle gewisse Regeln zu befolgen und Grenze zu respektieren, von soziale Konventionen bis zu ethische Grenzen.
BDSM ist keine Ausnahme, auch wir haben Grenzen die durch ethische und moralische Werte bestimmt werden, nur die Messlatten haben bei uns andere Massen.
Unsere Definition von Ethik und unsere Moralwerte weichen ab von denen der Gesellschaft und es wird immer problematisch sein diese zu vergleichen.

Ok aber was ist nun mit der Aggressionen?
Ausschlaggebend ist die Motivation. Wieso mag ich Dom zu sein? Was ist der Reiz an Sadismus? Sicher nicht das ich meine Aggressionen freilaufen kann…
Es geht nicht um egozentrische Selbstempfindungen sondern um die Interaktion mit der Sub.
Nicht das Schlagen oder Schmerzen zufügen an sich bereitet Freude sondern die Reaktion der Sub darauf. Es ist kein „Ich“ zentriert Handlung sondern ein weiterleiten von Emotionen zwischen Dom und Sub und zwar in beide Richtungen.

Mit BDSM leben wir ein alternative Modell aus, manche aus antikonformistische Gründen andere ganz einfach weil sie es geniessen.
Wenn andere sich ein Adrenalin-Kick holen indem sie von eine Brücke springen, lassen sich manche Masochisten die Haut durchbohren, an der Decke hängen und geniessen ein Endorphin Rausch. Wieso ist es mutig Bungee zu betreiben aber pervers SM zu praktizieren?
Schlussendlich streben wir nur nach Gefühlen und Emotionen die man sonst nicht so einfach bekommt und das ist für die Allgemeinheit strikte zu extrem.
Wir sind die Extremsportler der Sex und wie bei alles was extrem ist, werden wir manche „ach du Scheisse“ Reaktionen ernten und auf Ablehnung stossen. Das gehört dazu.