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Ich bin nicht Christian Grey!


Ich hab kein Hubschrauber, ich bin kein Audi Fan und ich dirigiere kein Konzern.
Das wären schon drei Gründe mich von Mr. Grey zu unterscheiden, es wäre aber ziemlich oberflächlich.
Ein paar von euch werden schon denken „Ach, schon wieder eine Abhandlung über Grey?“
Schon 2015 hatte ich in mein Beitrag Fifty Shades of Dan meine erste Kritik geäussert. Nun sind schon zwei der drei Bücher verfilmt worden und sehe mich in der Pflicht, stellvertretend für alle seriöse Doms, eine Warnung auszusprechen.

Auf der gesamte Welt hat Fifty Shades of Grey für Diskussionen gesorgt und es ist unumstritten das es in Schriftlicher- und Flimmer-Form ein Millionen Publikum erreicht hat.
Fact ist aber auch das in der SM-Welt dies nicht gerade das Lieblingsbuch / Film geworden ist. Die meiste SMler reagieren ziemlich allergisch wenn man es erwähnt.
Die Kritiken seitens SMler reichen von „absurd“ bis zu „realitätsfremd“. Wir wissen wie es in der Wirklichkeit abgeht, wir sind ja die Fachkräfte.
Was ist aber bei Leser und Kinobesucher hängen geblieben? Das ich es kritisch sehe ist schon klar, was aber soll ein Vanilla Publikum darüber denken?

Gehen wir mal der Geschichte in der Kurzfassung nach.
Ana trifft Christian als 21 Jährige Jungfrau, also absolut unerfahren und ahnungslos und wird ziemlich schnell mit ein Vertrag konfrontiert. Die Beziehung die dabei entsteht wechselt zwischen Romanze und SM und in laufe der Zeit merkt sie wie kontrollsüchtig und manipulativ er ist. Er erklärt ihr das er durch missbrauch zur SM gekommen ist und sie will ihn davon heilen. 

Als aller erste, ich mag zu bezweifeln das eine Ahnungslose in der Lage ist ein SM-Vertrag zu verhandeln.
Das solch ein Vertrag in Wirklichkeit keine rechtliche Bindung nach sich zieht wird natürlich nicht erwähnt.
Was ich aber viel bedenklicher finde ist das die liebe Ana gar nicht in der Lage ist zu verstehen auf was sie sich einlässt. Das entspricht kaum eine „Freiwilligkeit“ wie es SSC (Safe, Sane, Consensual) voraussetzt.
Ein Mr. Grey kann, macht seines Vertrages, mit Ana tun und lassen wie er mag. Das es dabei zum Teil um Missbrauch handelt geht an den Zuschauer vorbei, die interessieren sich mehr für die erotische Szenen.
Im laufe der Beziehung bricht Christian regelmässig ihr entgegengebrachte Vertrauen und respektiert auch nicht Anastasias Grenzen. Ich bezeichne das als bodenlose Frechheit und absolute No-Go, das Vanilla Publikum denkt aber das Mr. Grey damit ein starke Charakter zeigt, das er Selbstbewusst sich nimmt was er will.
Das die Autorin SM als Krankheit darstellt geht übrigens offenbar am Publikum vorbei. Keine der von mir befragte hatte auch nur eine blasse Erinnerung davon.

Bedenklich ist vor allem das die meiste Vanillas denken SM sei und funktioniere exakt so wie im Buch / Film gezeigt wird!
All das was wir SMler schnell als unrealistisch oder absurd enttarnen wird von Vanillas, mangels Erfahrung, als Realität empfunden und akzeptiert.
Ich will gar nicht wissen wieviele pseudo-Doms mit aufkeimende psychopathische Tendenzen, durch Bücher und Film eine Bestätigung für ihr handeln gefunden haben…
Geschweige denn wieviele Frauen die Übeltaten ertragen mussten, ihr Peiniger wie im Roman verzeihen weil „Er liebt mich doch“…
Mein Fazit ist also das falsche Erwartungen, verzerrte Ethik, nicht sichere und vor allem nicht durchdachte Handlungen propagiert werden.
Seid also auf der Hut wenn jemand FSoG erwähnt, das ist keinesfalls eine Referenz!

Ich kann aber mit Stolz sagen: Ich bin nicht Christian Grey!

 

 

6 Comments »

  1. Ich bin immer hin- und her gerissen, lesen, nicht lesen… Neugierig bin ich schon und man soll sich ja auch mit Dingen auseinandersetzen, bevor man sie kritisiert, aber ich befürchte ja, ich würde immer nur mit dem Kopf auf die Tischplatte ballern wollen…

    Gefällt 1 Person

  2. Natürlich habe ich dieses Buch damals auch gelesen. Als ich auch noch nicht wusste, wohin mich die Zeit noch bringen kann. Damals fand ich es klasse. Aber auch da habe ich mich schon gefragt warum SM als „Krankheit“ dargestellt wird. Mit der Zeit ist die Erinnerung an das Buch verblasst… ich habe mich anders kennengelernt, viel mit dem Thema bdsm befasst und später das Buch erneut gelesen.

    Mit dem jetztigen Wissen kann ich mich der obigen Schilderung bzgl des Buches nur anschließen, auch wenn es mir bisher an realen Erfahrungen in dem Bereich fehlt.

    Liebe Grüße
    Martina

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  3. Mich hat von Anfang an gestört, dass eine sadistische Neigung als eine psychische Krankheit dargestellt wird, die geheilt werden kann und muss. Ich dache, wir seien über diesen Punkt endlich hinaus.
    Inzwischen finde ich FSoG nur noch lächerlich, vor allem im Vergleich zu aktuellen sogenannten erotischen Romanen, in denen die Männer als BadBoy dargestellt werden (und immer dominant sind), tatsächlich aber Mörder und Vergewaltiger sind. Die Opfer, also die Frauen und Protagonistinnen, verlieben sich natürlich in die Entführer, Erpresser, Mörder, weil … ja warum eigentlich? Keine Ahnung. Sie sehen nur einen gutaussehenden Typen, der sie beim Sex anmacht und sich dann früher oder später in sie verliebt. Ab da verwandelt sich die Entführung/Vergewaltigung/Erpressung in pures Verlangen. Wenn du also wissen willst, wie krank manche Bücher geschrieben sind, musst du nur so eine DarkRomance suchen.
    Warum Frauen das lesen wollen? Ist mir ein Rätsel. Dabei bin ich masochistisch und submissiv, trotzdem würde ich mich keinem von diesen Arschlöchern unterwerfen, sondern höchstens lauthals nach der Polizei rufen …
    Gar nicht auszudenken, was die Leserinnen danach mit sich machen lassen, weil sie glauben, so die Liebe zu finden.

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