Wir sind nicht anders!

Wir sind nicht anders!

Als ich meine Neigung befreit habe war es toll. Es war ein so befreiendes Gefühl.
Dann merkte ich das ich damit anders war. Ich gehörte plötzlich eine Minderheit an die Gesellschaftlich am Pranger steht. Klar, nicht alle denken das wir kranken Gestalten sind aber im allgemein wir werden nicht als nette Gesellen beschrieben. Warum eigentlich?
Einerseits weil niemand richtig weiss was wir eigentlich tun. Verständlicherweise ist es auch schwierig für jemand der nicht über die entsprechende Neigung verfügt, nach zu vollziehen warum wir auf so etwas stehen. Hinzu kommen die Medien, die uns oft und gerne im gleichen Pot stecken mit Massenmörder und Vergewaltiger. Wir sind eine Minderheit und wir treffen uns mit gleichgesinnte an Playparties, wo „wer weiss was alles da passiert“.
So betrachtet sind wir ähnlich wie die Freie Maurer: keiner weiss genau was die tun und daher werden Räubergeschichten darüber gedichtet…
Es liegt in der menschlicher Natur unterschiede zu erkennen, in positiver wie auch in negativer Sinn und wir fallen definitiv auf. Wir müssen mit Vorurteile und Klischees umgehen die stark in unsere kulturelle und soziale Umgebung eingebettet sind. Was antworten Leute wenn man fragt was sie mit BDSM assoziieren? Peitschen, Schmerzen, Kerker, Ketten, … Kein wunder das wir so negativ behaftet sind, wenn keine auf die Idee kommt Zuneigung, Empfindungen, Erotik, Gefühle und nicht zuletzt Liebe damit zu kombinieren. Verständlich auch das die meisten von uns sich lieber in der Anonymität bewegen.
Doch, wie bei andere Minderheiten auch, gibt es auch bei uns die militante Fraktion, der kämpferische Flügel. Unter der Flagge „Wir sind anders, akzeptiert es!“ ziehen sie in Paraden und verpassen keine Gelegenheit zu zeigen das sie anders sind. Ich gehöre nicht dazu.
Wir sind doch nicht anders, besser oder über die andere. Unsere Beziehungen sind anders aber das ist etwas privates, intim. Wieso soll ich etwas so intim wie eine D/S Beziehung publik machen? Vanillas posaunen auch nicht herum „letzte Nacht hatte ich Analsex“ wenn sie morgens ins Büro kommen. Ich habe schon etliche Diskussionen gehabt und regelmässig bekomme ich zu hören „Die Homosexueller haben es auch geschafft!“. Was haben die geschafft? Das die heiraten dürfen? Das ist mehr eine politische als eine gesellschaftliche Errungenschaft… Werden Homosexueller weniger diskriminiert? Ich mag das zu bezweifeln… Sie werden eher toleriert als akzeptiert.
Will ich misstrauisch und mit vorbehalte toleriert werden? Definitiv nein!
Mein Argument gegen solche Aktivismus ist einfach: was ich bei mir zuhause mache geht niemand an. Ich sehe definitiv kein Grund warum ich mein Sexualleben offen legen soll.
Wenn wir das machen, dann sind wir wirklich anders.
Die Militanten kontern sofort mit „weil wir das 24 x 7 ausleben wollen“.
24 x 7 ? Wer kann das schon? Ich kenne Leute die in eine konstante D/S Beziehung leben, das ist aber immer noch weit entfernt von 24 x 7. Früher oder später gehen die auch einkaufen, arbeiten, verwandte besuchen und da hört D/S auf. Es ist illusorisch zu denken, in unsere aktueller Gesellschaft, 24 x 7 sei durchführbar. Wir werden immer mit Andersdenkende zu tun haben und Akzeptanz hin oder her, wir werden auch sicher Leute treffen die mit dem Finger auf uns zeigen werden, misstrauisch. Alles hat sein Preis.
Durch Aufklärung können wir sicher einige dazu bewegen ihre Meinung zu revidieren, das finde ich wichtig. Wir werden aber nicht alle überzeugen können.
Ich werde daher weiterhin durch die Gesellschaft laufen als der Nachbar, Bruder, Arbeitskollege, Ehemann, denn ich bin nicht anders. Ich habe andere Vorlieben, die gehen aber niemanden an.

6 thoughts on “Wir sind nicht anders!

  1. Jeder Mensch ist ein Universum für sich. Ich finde nicht, das wir „anders“ sind. Wer sind denn „die anderen“ genau, die angeblich alle gleich sein sollen? Wir sind weder anders, noch „besonders“. Wir sind wie wir sind.

    Da man uns die Neigung in der Regel nicht ansieht, wir unbehelligt heiraten und scheiden können wie wir wollen, müssen wir auch nicht um Akzeptanz kämpfen.

  2. Unterschreibe ich in allen Punkten sofort!
    Bei mir wissen es die engsten 3 Freundinnen. Und es erfahren meine Begleiterinnen. Zwangsläufig.
    Sonst geht es niemanden etwas an.

    Politischer Aktivismus?
    In diesem Bereich? Habe ich selbst wiederholt erlebt. Hat für mich etwas missionarisches. Mancher spricht so unglaublich abfällig über Nicht-BDSMer, als ob BDSM das vollkommene Heil wäre. Eine bedenkliche Einstellung.

    24/7?
    Diese Fokussierung kann ich mit meinem Leben nicht leisten. Nicht mit Selbständigkeit, 2 Kindern, etc.

  3. Hallo Zusammen.
    Na als Homosexueller kann ich den Beitrag voll bejahen.
    Leider gibt es noch zu viele falsche Vorstellungen und Ansichten.
    Arbeite selbst in einem Betrieb wo sich die Heimleiterin nicht vorstellen kann mit ’nem Schwulen zu arbeiten bzw sich ihm Gegenüber zu verhalten.

  4. Na wie Amüsant Master Dan.Ich könnte ja unsere Heimleitung schön schocken wenn ich ihnen sagen würde dass ich Schwul bin und BDSM mich fasziniert.
    Bei mir ist es genau umgekehrt.Ich hab Intressanterweise überhaubt keine Schwulen Kollegen oder Freunde.Na da sterb ich wohl als Alte Jungfrau😆😆😇😇
    Obwohl ich erst seit 31.Mai 2016 Mitglied bei der IG BDSM bin und noch nie was mit BDSM Aktiv oder Passiv zu tun hatte fühle ich mich beim Stammtisch in Teufenthal besser aufgehoben als unter anderen Schwulen.Obwohl ich erst das Zweite mal teilgenommen habe😁😁😁
    Das nennt man verkehrte Welt…Hihihi

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