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Die Maus

Es ist kühl geworden. Die Sonne ist hinter dem Berg versunken aber es ist noch hell.
Ich zünde das Feuer an, bald wird es dunkel und kalt sein. Ich bin auf 2000m, kurz unterhalb der der Waldgrenze. Ich hätte mein Lager weiter hoch am Seeufer einrichten können, da hätte ich aber kein Holz in der nähe gehabt. Die kleine Äste knacken als die Flamme sie küsst aber bald brennen lichterloh und übergeben die Flamme an grössere Lerche Stücke. Ich hab die Feuerstelle in ein Loch in der Steinmauer der alte Bergstrasse, eine ursprüngliche Schotterstrasse die sich durch enge Haarnadeln den Berg hinauf schlängelte. Heute sind nur die Kontouren erkennbar, alles ist mit Gras überwuchert und die Schwerkraft hat grosse Steine zum rutschen gebracht.
Mit dem Augenwinkel nehme ich eine Bewegung wahr auf der Mauer.
Ich halte still und warte.
Vorsichtig aber neugierig kommt eine Feldmaus hervor.
Ich hatte mein Abendbrot schon bereitgestellt, langsam hole ich ein Stück Käse und stelle ich es auf der Mauer, auf halbe weg zwischen Maus und Mensch. Die Maus hat sich natürlich wieder versteckt…
Es dauert aber nicht lange, die Maus kommt wieder aus dem temporäre Versteck heraus und mit der Nase in der Luft nimmt sie die Käse Witterung auf.
Immer noch vorsichtig nähert sie sich den Käsebrocken, schnappt es und verschwindet wieder.
Die kommt aber schnell wieder auf die Mauer, das Alpkäse schmeckt wohl gut.
Ich lege eine Spur auf der Mauer, diesmal kleinere Brocken.
Die Maus folgt die Spur, haltet bei jeder Krümmel und frisst genüsslich.
Das Ende der Spur ist meine Hand. Die Maus lässt die Vorsicht bei Seite und nähert sich.
Nach eine weile und fünf Stück Käse, schnuppert die Maus an meine Hand.
Die Schnauzhaare kitzeln mich aber ich bewege mich nicht. Die forsche Maus steigt auf meine Hand und beginnt zu knabbern am grössten Stuck der Spur.
Langsam bewege ich meine linke Hand und mit ein Finger streichle die kleine Kreatur.
Sie zuckt als ich sie berühre aber kurz danach widmet sie sich wieder dem Käse.
Das Fell ist weich und ich spüre das schnelle Herzschlag darunter.
Als die Maus das Käse verschlungen hat, dreht sie sich kurz um und schaut mich direkt an.
Mit ein kleine Sprung geht sie von meiner Hand und läuft auf der Mauer davon.
Kurz bevor sie verschwindet dreht sie sich um, als wolle sich bedanken.
Am nächsten Abend hat die Maus mich erneut besucht und natürlich hat sie wieder etwas bekommen und sich streicheln lassen.
Ob sie mich wohl jetzt vermisst?

Ich bewundere die Natur und solche kleine Erfahrungen.
Ich war von der Maus fasziniert.
Zuerst die Vorsicht. Das kennen wir alle, diese Angst vor dem Unbekannte.
Dann ist die Neugier, die uns alle Lebewesen zu neues antreibt.
Was mich aber am meisten fasziniert hat ist das Vertrauen. Für die kleine Maus muss ich gigantisch und bedrohlich erscheinen und doch ist die auf meine Hand gewesen und hat sich streicheln lassen. Als spürte die kleine Maus das ich ihr nichts antun würde.

Ich musste an meine Kleine denken.
Ob sie mich wohl jetzt vermisst?

 

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